Gastbeitrag von                  Michael Hermeneit

Heute hatte ich ein interessantes und aufschlussreiches Gespräch, was mich zum Nachdenken angeregt hat.

Wie soll es auch anders sein, es geht natürlich ums Thema Flüchtlinge. Ich selbst befasse mich erst seit relativ kurzer Zeit damit und wie uns das inzwischen direkt betrifft. Derzeit bin ich immer noch dabei, mich erst mal selbst zu positionieren und zu informieren.

Nun ist es ja nicht mehr ein 2 Millionen-Flüchtlingscamp in einem Entwicklungsland. Das war immer so weit weg, das ging uns ja nie was an.

Nein. Inzwischen kommen "DIE" direkt zu uns. Bis vor die Haustür. In die verlassene Kaserne oder alte Turnhalle direkt nebenan. Die Angst geht um. Die Angst, dass "DIE" uns etwas wegnehmen, uns überfallen, verprügeln und schlimmeres....

Was mich dazu bewegt hat, mich aktuell näher mit dem Thema zu befassen ist aber weder die derzeitig intensive Berichterstattung noch ist es eine eigene Angst davor, das "DIE" mir was wegnehmen könnten.

NEIN. Vielmehr sind es die teils erschreckenden Stellungnahmen meiner Mitmenschen, die zwar nix gegen Flüchtlinge haben, ABER schon finden, dass das doch langsam überhandnimmt und sich UNSERE REGIERUNG und UNSER STAAT erst mal um DIE EIGENEN LEUTE kümmern soll, bevor sie DENEN was IN DEN RACHEN wirft.

Und überhaupt sollen die (also die Politiker) mal was unternehmen, dass die (also die Flüchtlinge) erst gar nicht bis hier her kommen....

So oder so ähnlich erlebe ich es inzwischen fast täglich und es hat mich bisher quasi gelähmt. Ich wusste einfach nicht, was ich auf solche Meinungsbekundungen erwidern soll. Ich fühlte mich für ernsthafte Diskussionen auch nicht informiert genug. Ich hab gern Argumente im Rücken um in einer Diskussion fachkundig dagegen halten zu können, wenn ich mit den Vorurteilen und Ängsten meiner Mitmenschen konfrontiert werde.

Mit Erschrecken erlebe ich Menschen in meinem unmittelbarem Umfeld die z.T. aus Unwissenheit oder auch Verlustängsten oder einfach nur der Angst vor dem Unbekannten (dem Fremden) billige Polemik von fremdenfeindlichen Gruppierungen nachäffen.

Das heutige Gespräch hat mir ein Stück weit die Augen geöffnet.
DENN:

● Ich muss nicht über alle Aspekte der aktuellen "Flüchtlingsproblematik" informiert sein um Farbe zu bekennen.

● Ich muss nicht jeden der (aus welchen Gründen auch immer) Sorgen um sein eigenes Wohlergehen hat, mit stichhaltigen Argumenten niederknüppeln können.

● NEIN. Das muss ich gar nicht.

Was ich (und jedermann) aber tun kann und was eigentlich ganz einfach ist, selbst wenn ich gar nicht im Thema bin:
Wenn sich jemand feindlich, abfällig oder einfach negativ nur gegenüber MENSCHEN äußert, die sich (aus welchen Gründen auch immer) dazu genötigt fühlen ihrer Heimat den Rücken zu kehren um in einem anderen Land eine bessere Zukunft zu suchen... Immer dann kann ich (und jedermann) sagen:

NEIN ! DAS SEHE ICH NICHT SO!
NEIN ! ICH BIN NICHT DEINER MEINUNG!

Es geht dabei ja nicht darum, demjenigen zu erklären ob und wie er falsch liegt. Oder dass er sich besser informieren soll, bevor er den Mund aufmacht.

Es geht dabei darum: Mit dem eigenen Schweigen pflichtet man dem Gegenüber stillschweigend bei. Und das ist falsch und gefährlich!!! Diejenigen fühlen sich in ihrer Meinung bestätigt obwohl man selbst eigentlich eine ganz andere Auffassung hat.

Im Anschluss kann dann vielleicht ein Dialog eingeleitet werden und so kommt ggf. jeder selbst auch auf den Trichter sich mit der Thematik mehr (oder besser) auseinanderzusetzen und sich eine unabhängige Meinung zu bilden.

Das alles wurde mir (leider) erst heute so richtig bewusst und ich werde versuchen dies nun auch selber umzusetzen.

Das gesamte Thema ist sehr vielschichtig und ich kann das hier in meinem "kurzen Statement" nicht mal ansatzweise darauf eingehen. Aber ich weiß nun: Man kann und sollte eindeutig Position beziehen.

Das Fazit:
Nicht schweigen - Mund aufmachen.
NEIN sagen können !
NEIN zu Fremdenfeindlichkeit !
NEIN zur Angst vor (dem) Fremden !

Niemand kommt zu uns um UNS WAS WEGZUNEHMEN. Jeder der das verstanden hat, sollte dies auch sagen (können).