Mein erstes Mal

Wie alles begann

September 2015:

Egal, wohin man hört oder liest, bei allen buchinteressierten Menschen gibt es nur ein Hauptthema: Die baldige Messe in Frankfurt. Ich lese gerne mit, freue mich über neue Infos und manchmal ärgere ich mich auch ein bisschen, schließlich wird das Ganze ohne mich stattfinden. Keine Zeit, kein Geld, das Übliche halt. Nicht so schlimm, schließlich steht dafür die Leipziger Buchmesse im Frühling 2016 auf dem Plan, wenigstens vage.

10.10.15:

Ende des Monats bringt Sebastian Fitzek ein neues Buch heraus, "Das Joshua-Profil". Muss ich natürlich haben, außerdem gibt es einige Gerüchte über einen gewissen Max Rhode und dessen Werk "Die Blutschule". Irgendwie sollen beide zusammenhängen, ich befrage Google und der schickt mich zu einem Rätsel. Ich kann als Profiler mitermitteln, um dem Geheimnis um Herrn Rhode auf die Spur zu kommen. Gesagt getan, ich bin ein neugieriger Mensch, von Fitzeks Schaffen schon lange begeistert und vielleicht kann ich ja auch einen Blogartikel davon basteln. Die kurzweiligen Puzzlespielchen sind auch schnell  gelöst, so musste ich zum Beipiel ein Fotoalbum analysieren und einen Brief entziffern. Schön gemacht. Dass es etwas zu gewinnen gibt, habe ich am Rande wahrgenommen. Ein Meet and Greet mit Sebastian Fitzek in Frankfurt. Ok, mir egal, ich gewinne nie und zur Buchmesse fahre ich ja sowieso nicht.

11.10.15, ca. 23.00 Uhr: 

Sonntag Abend, morgen früh wird der Wecker wieder gnadenlos sein, ich sollte langsam ins Bett. Kurz nochmal die Emails checken, dann sollte das Wochenende vorbei sein.

"Herzlichen Glückwunsch..." Mist, so langsam wird meine Buchstaebliches-Adresse auch von Spammern entdeckt. Warum ich die Post trotzdem öffne und nicht gleich im Papierkorb verschwinden lasse, weiß ich nicht. Vielleicht bin ich über den Namen des Absenders, "Zorbach", gestolpert, Fitzek-Fans wissen, wovon ich rede.

 

"Liebe Tanja, du hast ein Meet and Greet mit Sebastian Fitzek auf der Frankfurter Buchmesse gewonnen."

 

Hä? Wie jetzt? Geht doch nicht, ich gewinne nie irgendwas. Bestimmt nur irgendeine Abzocke oder so...

Erstmal halte ich meinem Freund Markus das Ganze unter die Nase.

"Guck mal, die wollen mich doch gerade irgendwie veräppeln, oder so. Oder?"

"Nö...ich glaube, das ist echt...!!!"

"Wahhh? Neee, ja, nein, wie jetzt... wie geil ist das denn? Nach Frankfurt? Am kommenden Wochenende? Geht doch gar n... klar geht das!"    ...

 

Das war jetzt quasi die Kurzfassung unseres erst ungläubigen, dann begeisterten Wortwechsels, schnell hatten wir das ganze Ausmaß geblickt: Der Gewinn beinhaltete die Fahrt, eine Hotelübernachtung, Messetickets und natürlich als Krönung ein Treffen mit dem Großmeister des Thrillers persönlich, alles für zwei Personen. Besser geht es nicht!

 

Damit also dann doch: Ab zur Buchmesse nach Frankfurt, was war ich aufgeregt :-)

 

Vorspiel

17.10.15, 4.30 Uhr:

Wecker klingelt. Normalerweise muss er mindestens drei Anläufe starten, bevor ich ihn erhöre. Heute nicht, obwohl es zwei Stunden vor meiner eigentlich Weckzeit ist. Ich bin so aufgeregt, dass ich glatt auf meinen morgendlichen Kaffee verzichten könnte, Blutdruck ist hoch genug.

Um viertel nach sechs geht es los, erst mit dem Auto ein Stück, dann mit dem Zug. Der erste ist erstaunlich voll für die Uhrzeit. Noch erstaunlicher finde ich, wie der junge Mann uns gegenüber trotz des Gewusels so fest schlafen kann, dass sein Schnarchen die Zugwände erzittern lässt. Ab Hannover geht es dann mit dem ICE weiter, der ist leider so überfüllt, dass wir die nächsten zwei Stunden auf dem Boden verbringen. Egal, so schnell trübt nichts unsere Vorfreude.

Gegen 10.Uhr erreichen wir Frankfurt, können kurz noch ins Hotel, ein bisschen aufhübschen und dann soll es losgehen.

Der Hauptakt

12.15 Uhr:

Treffpunkt mit Thomas Zorbach sollte um 12.30 am Eingang "Tor Ost" sein, kein Problem, hatten wir auf dem Weg zum Hotel schon gesehen. Dachten wir jedenfalls, leider heißt ein Schild, auf dem dem "Tor Ost" steht, noch lange nicht, dass hier auch ein solches zu finden ist. Aber die netten Ordner unterwegs wissen Rat, so dass wir nur ein kleines bisschen zu spät am richtigen Platz eintreffen.

Hier warten schon die anderen Gewinner, sieben an der Zahl mitsamt ihrer Begleitpersonen. Nach einer kurzen Begrüßung lotst uns Thomas Zorbach durch die Menschenmassen zum Bastei Lübbe Stand, wo schon Süßkram, Getränke und ein Buch von einem gewissen Herrn Rhode auf uns warten...

Mittlerweile hatte sich überall herumgesprochen, dass die Blutschule von Sebastian Fitzek unter Pseudonym verfasst wurde, lohnt sich übrigens sehr, das Buch zu lesen (Rezi folgt bald).

13.00 Uhr:

Sebastian Fitzek gesellt sich zu uns, im Gegensatz zu mir scheint er völlig entspannt und locker zu sein. Er plaudert ein bisschen aus dem Nähkästchen, erzählt, wie er auf die Idee zum Joshua-Profil gekommen ist und wie die Blutschule ins Bild passt:

Der Protagonist im Joshua Profil ist der Autor Max Rhode, dessen einziges erfolgreiches Buch eben jene Blutschule ist.

Die Idee dahinter finde ich grandios, die Welt Max Rhodes als Protagonist wird damit für mich als Leser noch unmittelbarer und greifbarer, ich bin unheimlich gespannt auf Joshua.

Nebenbei erfahren wir noch, wie Sebastian seine Schreibzeit gestaltet, dass er sich dafür tatsächlich ein bisschen einigelt, um seine Charaktere erfassen und kennenlernen zu können. Spannend, finde ich.

Sage aber lieber nichts dazu, mir fehlen vor Aufregung immer noch die Worte.

Er erzählt noch ein paar Anekdoten von seinen Kindern, berichtet, welche Bücher er gerne selbst liest und dann geht es auch schon wieder zum Ende hin. Vorher werden noch nach Wunsch alle Bücher signiert, Fotos gemacht und ich bekomme sogar noch eine Videobotschaft für meinen Blog, vielen Dank dafür. Vielen Dank dafür auch an Markus, der nämlich danach gefragt hat. Ich nicht, mir fehlten ja die Worte.

 

 

Das Nachspiel

Nachdem wir uns verabschiedet haben, stürzen wir uns ins Messegetümmel. Wie der Titel schon vermuten lässt, war ich vorher noch nicht auf einer Buchmesse und jetzt schwer beeindruckt von all den Schätzen samt ihrer Produzenten. Es gibt kein Medium, das ich lieber mag als Bücher und AutorenInnen sind für mich quasi Halbgötter (na gut, wenigstens großartige Künstler), so dass ich mich zeitweise im Paradies wähne. Mit ein paar Schönheitsfehlern allerdings: Menschen, die überbreite Trolleys hinter sich her ziehen zum Beispiel, ohne darauf zu achten, dass sie alle Hintermänner und -frauen damit über den Haufen pflügen. Oder auch der Stand einer dubiosen Truppe in Halle drei, in der rechten Ecke... Einer der wenigen Stände, die ich mir nicht angeschaut habe. Auch den Redner dort wollte ich nicht hören, in rechten Ecken fühle ich mich nicht wohl.

Insgesamt konnten aber solche Kleinigkeiten einem wunderbaren Wochenende nichts anhaben.

Das Außengelände haben wir am Sonntag erkundet, neben kulinarischen Dingen befand sich hier das Lesezelt und eine Außenbühne, auf der wir noch einen kleinen Teil des Programms von Komiker Chris Tall gehört haben. Kein Buch, aber trotzdem nett. Interessanter waren jedoch die vielen Cos-Player, eine Szene, von der ich keine Ahnung habe, Mangas und auch andere Comics reizen mich eher weniger. Trotzdem waren die teils aufwendigen Verkleidungen schön anzuschauen.

 

 

 

Wer sich auf meinem Blog umschaut, erkennt schnell, dass ich Kinderbücher mag. Hier habe ich einen Protagonisten aus einem solchen gefunden: einen Olchi, großartige Geschöpfe, die im Müll leben und ihr Leben dort genießen. Dieses Exemplar wird vorher jedoch gerade gebadet haben, jedenfalls roch er ganz anständig.

 

 

 

Sehr gefallen haben mir die unterschiedlichen Inszenierungen der einzelnen Verlage. Sicher, jeder wollte seine Bücher im besten Licht präsentieren, trotzdem sind viele unterschiedlich Ergebnisse dabei herausgekommen. Die einen mochten es lieber hell, die anderen großartig, fast schon überladen und wieder andere gingen ganz minimalistisch ans Werk. Für mich die schönste Darstellung seines Programms hat der KBV-Verlag erreicht. Ein altes, düsteres Lesesofa, Kronleuchter, alles ein bisschen bedrohlich. Das Foto kann leider die Stimmung nicht so zeigen, wie ich sie gesehen habe. Bemerkenswert.

 

 

 

 

 

 

 

Andere, kleine Verlage hatten sich an einem Stand zusammengetan, hier hat Markus bei Sutton sein Baby entdeckt.

 

 

 

 

Wirkliche Schätze haben wir im Bereich der Antiquariatsmesse entdeckt, leider aber auch zu märchenhaften Preisen.

 

 

 

 

Joscha Sauer signiert seine Bücher. Die Schlange war (wie bei allen Signierstunden) so lang, dass ich keine Lust hatte, mich für ein Autogramm dort anzustellen.

Ganz am Rande der Weg vom Hotel zur Messe: Die kleine Kirche in der Mitte tat uns fast ein bisschen leid, zurückgedrängt von den Hochhäusern, nichts mehr zu sehen von ihrer eigentlichen Größe ;-)

 

 

 

Sonntag Abend, gegen 18.00 Uhr setzten wir uns wieder in den Zug Richtung Heimat, geschafft, mit unglaublichen Plattfüßen, vielen Eindrücken im Kopf und Druckwerken im Rucksack.

Um alles zu sehen, was möglich gewesen wäre, reichten weder Zeit noch unsere Aufnahmefähigkeit, so haben wir alles spontan auf uns einwirken lassen und es wirklich genossen. 

Vielen Dank für dieses wunderbare Wochenende an Bastei Lübbe, Sebastian Fitzek und Thomas Zorbach, vielleicht sehen wir uns im Frühling in Leipzig ja wieder.