Jutta Jacobi

Die Schnitzlers - Eine Familiengeschichte

 

 

Jutta Jacobi beschreibt mit diesem Buch die Geschichte der Familie um den Schriftsteller Arthur Schnitzler, und zwar nicht nur sein Leben, sondern auch das seiner Vor- und Nachfahren. Der gesamte Zeitraum der Darstellung erstreckt sich über mehr als 150 Jahre und mehrere Länder und beschreibt neben der eigentlichen Familiengeschichte auch sehr schön den Wandel der Gesellschaft von 1850 bis heute.

Alles beginnt mit dem Vater Arthurs, der Mitte des 19. Jahrhunderts von Ungarn nach Wien auswandert. Hier trifft er auf eine Zeit des Umbruchs, die jüdische Bevölkerung bekommt endlich mehr Rechte als zuvor. Er lernt seine Frau Louise kennen und steigt mit der Heirat in der Gesellschaft auf, wird ein angesehener Arzt und Anhänger der Wiener Schule, die mit einem besonderen Augenmerk auf den Empirismus große Erfolge feiert. Außerdem schreibt er erfolgreich für ein medizinisches Fachblatt.

Arthur Schnitzler wird als ältester Sohn geboren, beginnt mit 11 Jahren erste lyrische Werke zu schreiben, mit 13 hat er schon einige Dramen verfasst.

Ab 1875 flammt der Antisemitismus wieder auf, worunter auch die Poliklinik seines Vaters leidet.

Auch Arthur beginnt ein Medizinstudium, es fällt ihm leicht und er schließt es auch ab. Seine wahre Leidenschaft gilt jedoch der Literatur, nicht der Medizin. Nach einigen Rückschlägen wird er hier auch sehr erfolgreich. Privat führt er ein sehr unstetes leben, geprägt von vielen sexuellen Abenteuern und Hypochondrie. Erst als er mit 40 Jahren Olga Gussmann heiratet, wird er zum Familienmensch und bekommt zwei Kinder: Heinrich und Lili.

Während Arthur beruflich immer erfolgreicher wird, kriselt seine Ehe immer mehr, weil Olga sich ständig in seinem Schatten sieht und selbst als Sängerin nur mäßigen Erfolg hat.

1921 wird die Ehe geschieden und Arthur bekommt immer mehr den Antisemitismus jener Zeit zu spüren. Seine Tochter stirbt mit 19 nach Selbstmord, Arthur am 21.3.1931.

Sein Sohn, dessen Frau und seine Mutter Olga flüchten vor dem Naziregime in die USA und gründen dort neue Familien, die sich zum Teil später wieder in Deutschland ansiedeln.

 

Dies ist eine extreme Kurzfassung des Inhalts, die in keiner Weise dem gerecht wird, was die Autorin an Recherchearbeit geleistet hat.

Sämtliche Stationen der Familie Schnitzler hat sie persönlich bereist, Briefe und Tagebücher gelesen und alles bis ins kleinste Detail rekonstruiert.

Das ganze Sachbuch ist geschrieben wie ein Roman, durchaus anspruchsvoll zu lesen, aber mit einem sehr angenehmen Schreibstil. Dieser lässt trotz der manchmal tragischen Geschichte immer wieder ein bisschen Humor durchblicken. Die Familie Schnitzler wird sehr menschlich beschrieben, man erlebt als Leser ihr Schicksal regelrecht mit.

Sehr interessant war für mich nicht nur die Familiengeschichte, sondern auch die Entwicklung der Gesellschaft an sich im Verlauf der letzten 150 Jahre. Mir ist wieder mal sehr bewusst geworden, wie anders das Leben doch vor nicht allzu langer Zeit war, insbesondere für Frauen.

Aufgelockert wird der Text durch einige Schwarzweiß- Fotografien der Familie.

Insgesamt ein Buch, das sich nicht nicht einfach überfliegen lässt, aber absolut empfehlenswert für historisch Interessierte oder Arthur-Schnitzler-Begeisterte.

 

Residenz Verlag, 2014, Hardcover, 294 Seiten