Dortmund

Bilder aus den 50er- und 60er-Jahren

Quelle: https://verlagshaus24.de

Markus Meeder

Andreas Meeder

 

Wer in Dortmund lebt oder irgendwie mit dieser Stadt verbunden ist, hat vielleicht schon mal von einem der beiden Autoren gehört: Für Markus Meeder ist dieser großformatige Bildband kein Debüt mehr, er hat schon drei weitere Bücher veröffentlicht. Allen gemeinsam ist das Thema: Die historische Stadt „Dortmund“. Während die ersten drei Werke sich jedoch eher mit einer weiter zurückliegenden Vergangenheit beschäftigen, bezieht sich das aktuelle auf die beiden Jahrzehnte der Nachkriegszeit. Unter den Lesern wird es demnach noch viele Zeitzeugen geben, und gerade dies macht vorliegendes Buch so interessant: Wer stöbert schließlich nicht gerne in Kindheits- oder Jugenderinnerungen.

Konzipiert ist das Ganze als Bildband, es finden sich zwar auch reichlich informative Texte und Erläuterungen wieder, dennoch dominieren die Fotos deutlich.

Die beiden Autoren sind Brüder und sie verbindet ein gemeinsames Hobby: Das Sammeln alter Bilder ihrer Heimatstadt. Ihre schönsten Schätze haben sie nun veröffentlicht, und es sind manche Raritäten dabei, so zum Beispiel aus dem Nachlass von „Cramers Kunstanstalt Verlag Dortmund“.

 

In der Einleitung wird kurz auf die Kriegsgräuel eingegangen, Markus Meeder beschreibt hier detailliert, welche Ausmaße die Zerstörungen der Gebäude hatten, laut Aussage des Autors waren 95% nicht mehr nutzbar.

Von diesen Verlusten (zu denen sich sicher auch unzählige persönliche und menschliche gesellten) ließen die Dortmunder sich jedoch nicht beirren, sie wollten ihre Stadt zurück.

Von diesem Wiederaufbau inmitten zertrümmerter Straßenzüge berichten die der Einleitung folgenden Bilder und sie strahlen neben einer ordentlichen Portion Nostalgie auch die Stärke dieser Industriestadt aus.

Das erste Kapitel bietet eine Übersicht über die gesamten Zerstörungen in Luftaufnahmen, wie gewohnt fundiert betitelt und erklärt.

Das zweite Kapitel zeigt die Ruinen im Stadtbild: Halbe Kirchen, zerbombte Häuser und immer wieder arbeitende Menschen dazwischen.

Im dritten Kapitel werden die Neustrukturierung und der Straßenbau thematisiert. Der Autor schreibt hier, dass das Hauptziel die Schaffung neuen Wohnraums war, und dies ist an den Bildern deutlich zu erkennen: Es entstanden keine ästhetisch schönen Bauwerke, man dachte in erster Linie pragmatisch. In der damaligen Situation sicher nicht die schlechteste Idee und auch diese „Bausünden“ sind nunmal ein Teil der Stadt.

Kapitel vier widmet sich der Innenstadt im Aufbau, es ist mit Abstand das umfangreichste des Buches und bietet eine riesige Masse an Erinnerungen für Dortmundkenner. Spannend ist zum Beispiel die Einrichtung des Bahnhofs in den 1950er Jahren, es scheint, als wurden die Fahrgäste früher aufmerksamer in Empfang genommen.

Außenaufnahmen interessanter Gebäude wechseln sich ab mit raren Innenaufnahmen, ein bunter Rosenmontagszug wühlt sich durch die Straßen, die Reinoldikirche bekommt ihre Wetterfahne, der Weihnachtsmarkt erstrahlt in zaghaftem Glanz und von der Außenterrasse des Hertie-Kaufhauses hat man einen wunderbaren Blick über die Stadt. All dies und vieles mehr ist in diesen Bildern verewigt und wird dem Betrachter mit diesem Buch zugänglich gemacht.

Eines meiner Lieblingsbilder ist wenig spektakulär und wahrscheinlich auch keine großartige Rarität, aber es zeigt herrlich die Normalität, die endlich wieder auftreten kann: Ein paar parkende Autos, im Vordergrund ein kleiner Käfer – gesäumt von heute altertümlich anmutenden Parkverbotsschildern. Eben solche Schilder werden auf einem anderen Bild übrigens auch als Aussichtsplatz genutzt. Auch dass Dortmund nicht umsonst als „Kinostadt“ galt, zeigt v.a. ein Bild sehr deutlich auf einer Doppelseite: Das „Capitol“, das „Bambi“ und das „Studio“ bei nächtlicher Beleuchtung: Eine sehr schöne Atmosphäre. Ich kann hier nicht annähernd alle Bilder beschreiben und aufzählen und muss mich auf eine kleine Auswahl beschränken. Zusammenfassend erhält man mit diesem Buch einen informativen, gut recherchierten und reichlich bebilderten Eindruck vom Dortmund der 50er und 60er Jahre. Wer diese Stadt kennt und mag, wird mit dem Buch viel Freude haben, wer sie noch nicht kennt, könnte sie besuchen und das Buch dazu nutzen, Altes mit Neuem zu vergleichen. Spannend ist es in jedem Fall und es eignet sich sicherlich auch als Geschenk für (ehemalige) Dortmunder. Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung.

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Dortmund - Historische Streifzüge

Dortmund: mehr als Fußball, Bier und Kohle

 

Bücher über Dortmund gibt es viele, allerdings seit langer Zeit kein aktuelles. Nun, wirklich aktuell ist dieses auch nicht, behandelt es doch vorrangig den Zeitraum vor dem zweiten Weltkrieg. Bis in die frühe Geschichte geht der Autor dabei zurück, erklärt zum Beispiel, warum die Stadt gerade an dieser Stelle entstanden ist und welche Theorien es zu ihrer Namensgebung gibt. Das Ganze ist immer wieder angereichert mit Zeichnungen und sogar computergenerierten Nachbildungen der mittelalterlichen Stadt. Nicht ganz soweit zurück liegen natürlich die Fotos, die Markus Meeder hier präsentiert, sie zeigen vorrangig das Stadtbild vor dem zweiten Weltkrieg. Aber auch die Zerstörungen danach werden bildlich aufgezeigt, man überlegte tatsächlich, Dortmund an anderer Stelle komplett neu aufzubauen. Gut, dass es dazu nicht gekommen ist, nur so lassen sich immer noch Artefakte aus alter Zeit (wieder) finden. In mühevoller Kleinarbeit hat der Autor sich genau danach auf die Suche gemacht und kann so in seinem Buch nicht nur die alten Bilder präsentieren, sondern auch genau sagen, wo sie entstanden sind. Um dies als Leser ebenfalls nachvollziehen zu können, wird jeder Punkt seiner historischen Reise auf kleinen Übersichskarten eingezeichnet, die geradezu einladen, sich selbst auf den Weg in die Vergangenheit zu machen.

Dabei beschränkt er sich allerdings auf den Stadtkern, thematisiert wird jenes Gebiet, welches innerhalb des heutigen Wallringes liegt. Dieser zeigt nämlich heute noch auf, wo zu mittelalterlicher Zeit die Stadtmauer verlief und damit Dortmunds Stadtgrenze.

Einige der alten Aufnahmen wurden vorher noch nicht veröffentlicht, bieten also auch passionierten Sammlern noch neue Einblicke.

So ganz nebenbei erfährt man als Leser sehr viel über die historischen Entwicklungen der Stadt, lernt die Reinoldisage kennen und was es mit der Fehmlinde auf sich hat. Und natürlich bekommen auch die Brauereien ihren Platz, wenn Dortmund nicht als Stadt des Bieres gilt, welche dann.

Während einige dieser Gebäude noch heute zu sehen sind, manchmal in veränderter Form, kann man dies von vielen nicht mehr behaupten, z.B.der ortsansässigen Synagoge. Glücklicherweise hat der Autor auch von dieser ein Foto gefunden und in dem Buch verewigt.

Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen, man muss ganz sicher kein Historiker sein um hieran seine Freude zu haben. Trotzdem besticht es durch fundiertes Wissen, was sich der Autor im Selbststudium und mit Hilfe von Fachleuten, z.B. Mitarbeitern des Stadtarchivs, angeeignet hat. Aufgelockert wird das Ganze durch sympathische Anekdoten, z.B. die Geschichte einer kleinen Ratte im alten Rathaus.

Insgesamt ist dieses ein Buch, das man immer wieder aus dem Schrank holen möchte, um nochmal die Bilder anzuschauen und mit aktuellen zu vergleichen, sie zeigen deutlich, wie sich ein Stadtbild im Laufe der Zeit verändert. Jedem, der sich für Dortmunds Stadtgeschichte interessiert, sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Auch Leser, die sich generell für historische Stadtentwicklungen begeistern können und nicht ausschließlich rein wissenschaftliche Lektüre bevorzugen, sollten hier Interessantes finden.

Eine klare Kaufempfehlung von mir, ich sehe die Stadt jetzt nicht mehr ausschließlich schwarz-gelb, sondern auch die anderen spannenden Begebenheiten :-)

 

Sutton Verlag, 128 Seiten, 80 Bilder (Farbe), Hardcover, 1.Aufl. 07.2015