Antonia Günder-Freytag

Hundstage

Konrad von Klamms 3. Fall

 

Eine Frau wird mitsamt ihrem Hund erschlagen aufgefunden, mitten im hochsommerlichen München. Nicht nur durch das Wetter werden die Gemüter in der Stadt überhitzt, auch dieser Fall tut sein Übriges. Kommissar Konrad von Kamm kommt aus dem Schwitzen nicht heraus, schnell finden sich zwar einige Verdächtige, aber irgendwas scheint immer zu fehlen.

Da wäre zuerst der Ehemann der Toten, ein melancholischer Musiker, der sich so gar nicht in seine piekfeine Nachbarschaft integrieren mag. Aber auch unter jenen Nachbarn gibt es einige, die sich mindestens merkwürdig benehmen, die gesamte Familie Grafenacker zum Beispiel. Die Frau des Hauses, die den zweifelhaften Ruf genießt, mehrere Liebschaften zu unterhalten, Thomas Grafenacker, Gymnasiallehrer und ein überaus pedantischer Zeitgenosse oder auch sein Bruder, ein Autist, der seine Mitmenschen mit einem Laubbläser terrorisiert: Sie alle kommen als Täter in Frage. Außerdem ist da noch eine alte Freundin der Toten, ebenfalls ohne Alibi, dafür aber mit potentiellem Motiv.

Als ob dieser Fall nicht genug Probleme mit sich brächte, hat Konrad auch privat Einiges auszuhalten: Gefangen zwischen den Ansprüchen dreier Frauen, versucht er erst gar nicht, irgendwelche Entscheidungen zu treffen und bemitleidet sich in erster Linie selbst. Gut, dass er wenigstens noch seinen Kollegen und Freund Utzi hat, der ihn gelegentlich auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Aber auch Utzi steht bei diesem Fall vor einem Rätsel, das nicht einfacher wird, als noch mehr Menschen sterben.

Die Autorin hat hier schon den dritten Band einer Ermittlerreihe veröffentlicht, wobei mir die ersten beiden nicht bekannt sind. Es ist allerdings kein Problem, die Bücher in unterschiedlicher Reihenfolge zu lesen, ich werde mir die anderen bei Gelegenheit sicherlich auch noch vornehmen.

Hundstage“ besticht durch die Irrungen und Wirrungen der Handlung und vor allem durch die Figuren. Konrad von Kamm ist ein Ermittler mit Ecken und Kanten, und wie so üblich in vielen Kriminalromanen, erhält der Leser auch Einblicke in sein tragisch-komisches Privatleben. Anfangs hatte ich das Gefühl, dass die Figurenbeschreibungen sehr weit an der Oberfläche bleiben würden, dies hat sich jedoch im Laufe der Geschichte gelegt und ich habe die handelnden Personen kennen und mögen gelernt. Sehr gut gefallen hat mir hierbei das allgegenwärtige Thema der Außenwirkung, mehrmals hat die Autorin eine Figur sagen lassen „Das dürfen die Nachbarn nicht wissen“, insbesondere bei der Familie Grafenacker war äußerliche Anpassung ein hohes Gut. Mit entsprechenden Konsequenzen.

Die Idee hinter der Geschichte mag ich, auch wenn das Ende ein bisschen zu leicht zu durchschauen war. Zeitweise habe ich mich wirklich gefragt, warum die Damen und Herren der Polizei das Offensichtliche übersehen. Ganz so, wie ich es vermutet hatte, war das Ende dann zwar nicht, aber doch sehr ähnlich. Schlüssig und logisch war es trotzdem.

Der Schriftstil der Autorin ist angenehm und flüssig zu lesen, einfach gehalten und ohne Stolperfallen. Gerade jetzt in der Urlaubszeit ist dieses Buch bestens geeignet für ein nettes Lesevergnügen zwischendurch, Krimifans sollten hier auf ihre Kosten kommen und bekommen eine Kaufempfehlung von mir.


 

Broschiert: 377 Seiten

 

Verlag: bookshouse, Juli 2016

 

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Kommentare

  • Antonia Günder Freytag (Donnerstag, 14. Juli 2016 15:21)

    Liebe Tanja Mandelt,
    vielen lieben Dank für die ausführliche Besprechung meines Buches. Ich habe mich über Ihr Lob sehr gefreut! Wenn Sie mögen, gucken Sie doch mal auf meine Homepage, vielleicht ist ja noch was für Sie
    dabei!
    Ganz liebe Grüße aus München
    Antonia Günder-Freytag
    http://www.antonia-guender-freytag.de/bücher/

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