Daniel Cole

Ragdoll - Dein letzter Tag

Quelle: Ullstein

Brutale, perfide sowie geniale Mordmethoden und ein eigenwilliges Ermittlerteam bieten den Stoff für diesen fesselnden Thriller

 

Detective Wolf wird zusammen mit seinen Kollegen zu einem mehr als makabren Tatort gerufen. Ihn erwarten sechs Leichen – oder vielmehr Teile davon, die wiederum zu einer gruseligen Marionettenfigur zusammengenäht und in Szene gesetzt wurden.

Es beginnt eine blutige Jagd nach einem besessenen, aber hochintelligenten Serienkiller, der auch vor Kollateralschäden nicht zurückschreckt. Eigentlich sind seine Ziele jedoch genau definiert, es bleibt nur die Frage, auf welche Art sie umkommen, denn eine Abweichung von seinem Plan hat der Killer nicht vorgesehen. Dem Ermittlerteam um Wolf bleibt nicht viel Zeit, um diesen Fall zu lösen und immer mehr ihnen nahestehenden Menschen fallen dem „Ragdoll-Mörder“ zum Opfer.

 

Das Buch startet mit einem Paukenschlag, genau genommen sogar gleich zweimal.

Der Prolog beschreibt dabei noch eine relativ harmlose Szene (im Vergleich zu dem, was noch folgt), ist aber sehr bildgewaltig und eindrücklich verfasst.

Im ersten Kapitel folgt dann schon sofort der Fund der gruseligen Ragdoll, die dem Leser gleich zeigt, dass dieses Buch nichts für schwache Nerven ist.

Kurz flacht die Spannungskurve dann ab, die Ermittler und weiteren Figuren werden eingeführt und insbesondere der Protagonist Wolf samt Kollegin Baxter bleibt sehr undurchsichtig. Anfangs befürchtete ich, dass ihre Ausgestaltung so oberflächlich bleiben würde, sah mich aber schnell getäuscht darin. Alle Figuren haben ihre Macken und Eigenarten, und Wolf ist nicht immer als Sympathieträger zu gebrauchen. Aber das soll er wohl auch gar nicht, seine Rolle ist vielschichtig und bleibt bis zum Schluss ein bisschen geheimnisvoll. Baxter dagegen hat viel von Stieg Larssons Lisbeth Salander, nicht neu, aber trotzdem kratzbürstig-gut. Eine sehr überraschende Entwicklung macht der Anfänger Edmunds durch, statt katzbuckelnd durch die Wache zu schleichen, macht er sich seine ganz eigenen Gedanken, auch gegen Widerstände. Selbst die Nebenfiguren hat der Autor sehr plastisch gestaltet, einzig der Täter bleibt natürlich lange im Hintergrund.

Es dauert also ein bisschen, bis das Buch wirklich zuschlägt, aber nach einiger Zeit hatte es mich so gefangen, dass ich es in einem Rutsch durchgelesen habe und inständig hoffe, von diesem Autor noch mehr ergattern zu können.

Der Schreibstil ist informativ und beschreibend, wenn gerade Zeit dafür ist und packend, wenn es nötig wird. Als Leser schaut man von Außen auf das Geschehen, was mir sehr gefällt. Genutzt hat es allerdings nichts, ich wusste bis kurz vor der Auflösung nicht, wer der Täter ist und habe genauso nach Hinweisen gesucht, wie die Ermittler. Auch das Zwischenmenschliche wird schön thematisiert, die Beziehung Wolfs zu seiner Exfrau Andrea spielt zum Beispiel eine wichtige Rolle für den Verlauf der Geschichte. Insgesamt treffen hier schon viele schräge Vögel aufeinander, die alle mit ihren jeweils eigenen Leichen im Keller zu kämpfen haben und kaum einer hätte das Recht, über einen anderen zu richten.

Wirklich umwerfend ist das Ende dieses Thrillers geraten. Beim Lesen fiel es mir (wie auch den Polizisten) wie Schuppen von den Augen, unzählige Hinweise bekamen im Nachhinein eine ganz andere Bedeutung und trotzdem blieb bis zum Schluss die Idee, dass vielleicht doch noch alles ganz anders gewesen sein könnte.

Das Buch und dieser Fall sind definitiv abgeschlossen, aber die Möglichkeit einer Fortsetzung besteht meines Erachtens, welche Pläne der Autor dazu hat, ist mir nicht bekannt. Sehr bemerkenswert ist für mich, dass er mit diesem Werk seinen Debut-Roman abgeliefert hat, es scheint für mich einen neuen Stern am Thriller-Himmel zu geben.

Von mir gibt es ein absolute und uneingeschränkte Leseempfehlung für Thrillerfans.

 

Ullstein, 2017, Taschenbuch 476 Seiten, Autorenseite

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