Elke Weigel

Sterben in Schwarzweiß

 

 

Ein überzeugender Thriller mit verwirrend-sympathischen Persönlichkeiten

 

Ob mich ein Buch vollends in seinen Bann ziehen kann, zeigt sich gerne bei einer längeren Bahnfahrt. Es gibt Bücher, die sind nett, aber das Gespräch der Mitreisenden vor mir dann doch interessanter. Manche sind auch solange spannend, bis der Schaffner sich mit Schwarzfahrern anlegt, spätestens dann bin ich abgelenkt und doch wieder im realen Leben angekommen. Und dann gibt es solche wie diesen Thriller von Elke Weigel, die dafür sorgen, dass ich fast meinen Zielbahnhof verpasse.

Bevor ich mich aber in Lobhudeleien verirre, hier gleich der einzige Kritikpunkt (der jedoch in einer Punktewertung keinen Einschlag finden würde): Das Cover ist für mich gar nicht ansprechend und hätte mich vom Kauf abgehalten, es wirkt einfach viel zu altbacken und Thriller-untypisch. Glücklicherweise habe ich das Buch jedoch als Rezensionsexemplar erhalten und aufgrund des Klappentextes zugesagt, das Cover habe ich vor dem Erhalt des Buches nicht gesehen. Und darüber bin ich wirklich erfreut, denn sonst wäre mir ein ganz besonderer Thriller entgangen, der durch einen spannenden Plot und vor allem durch seine Protagonistinnen punktet.

 

Aber zuerst zum Inhalt. Die Psychologin Carolin Baittinger lernt auf etwas kuriose, fast schon unheimliche Art Alex kennen, welche augenscheinlich dringend Hilfe benötigt. Sie leidet an einer multiplen Persönlichkeitsstörung und bringt nicht nur einmal sich und ihre Mitmenschen in Schwierigkeiten. Sie ist fasziniert von einem Künstler-Duo, den sogenannten Engeln, die, genau wie sie, sehr androgyne Figuren haben und in ihren Bildern damit spielen. Doch dass das Ganze weit mehr ist, als ein Spiel mit den Geschlechtern, zeigt sich, als eine der Fotografinnen ermordet wird, noch dazu auf bestialische und grausame Weise.

Nicht nur Carolin beißt sich an Alex die Zähne aus, auch Johanna Schach, Kommissarin und Lebensgefährtin Carolins, tappt lange Zeit im Dunkeln. Zum Ende hin wird es immer verwirrender, es ist lange nicht klar, wer hier welche Rolle spielt und wer wem nur etwas vormacht.

Bis zum Schluss hatte ich die Geschichte nicht vollständig durchschaut, perfekt für einen Thriller also.

Das Ende ist schlüssig und rund, es hat mir ebenso gut gefallen wie der Rest des Buches.

Insbesondere die Figuren Alex, Carolin und die Engel wirkten auf mich echt, trotz ihrer Störungen und Probleme. Zu Beginn der Geschichte erfährt der Leser viel über die Kindheit der Künstlerinnen und manches Mal hätte ich die beiden gerne einfach in den Arm genommen und an einen besseren Ort geführt.

Über Alex Kindheit dagegen erfährt man nicht so viel, was aber ebenfalls passend ist, das Geheimnisvolle ihrer verschiedenen Persönlichkeiten bleibt so erhalten. Das Krankheitsbild der multiplen Persönlichkeit klingt für Laien wie mich immer etwas unheimlich, manchmal auch unwahrscheinlich. Aber dass es diese Krankheit gibt, ist mit bekannt, und da die Autorin Psychologin ist, gehe ich davon aus, dass sie weiß, worüber sie schreibt. Interessant ist es allemal, und für einen Thriller ist diese Thematik wie geschaffen.

Der Plot der Geschichte passt gut, es gibt keine Unstimmigkeiten und bis zum Ende klären sich alle (gewollten) Ungereimtheiten auf.

Der Schriftstil ist locker, aber professionell gehalten, es macht wirklich Spaß, diese Geschichte zu lesen und ich werde mir auch die anderen Werke der Autorin ansehen. Bisher war sie mir völlig unbekannt, was mich tatsächlich ein bisschen erschreckt hat. Immerhin sind Thriller mein persönliches Steckenpferd, die von deutschsprachigen Autoren/Autorinnen besonders. Ich treibe mich viel in thematisch passenden Netzwerken herum und frage mich wirklich, warum ich von ihr bis jetzt noch nichts gehört habe. Aber das hat sich ja nun geändert.

Zusammengefasst gibt es demnach eine ganz deutliche Kaufempfehlung für alle Thrillerliebhaber, die mit weniger Blut, aber dafür mit sehr vielen Persönlichkeiten zufrieden sind.

konkursbuch, 252 Seiten, Taschenbuch, 2016

 

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