Felix Leibrock

Eisesgrün

Skandal im beschaulichen Weimar: Kleiner Kriminalfall entwickelt sich zu rasantem Thriller mit Gänsehautgarantie

 

 

Wie auch schon im ersten Buch Felix Leibrocks, „Todesblau“, kommt dem Ermittlerduo Sascha Woltmann und Mandy Hoppe eher unerwartet eine große Aufgabe zu. Sascha, seines Zeichens immer noch unterforderter Streifenpolizist, bekommt eher nebenbei einen Tipp gesteckt, der ihn an ein früheres Verbrechen erinnert. Auch wenn sich dies erstmal als Sackgasse entpuppt, beginnen sich die Ereignisse bald zu überschlagen. Mitten im beschaulichen Weimar finden sich immer mehr sogenannte Hochgräber. Erst mit materiellen Opfern, dann mit solchen, die wenigstens schon länger tot sind. Aber ein guter Krimi wäre kein solcher, wenn es keine Steigerung gäbe...In der spannenden Geschichte verwickeln sich immer mehr Handlungsstränge rasant ineinander, tragische Familiengeschichten wechseln sich ab mit dubiosen Machenschaften der Pharmaindustrie zu DDR-Zeiten, eine geheimnisvolle Sekte treibt ihr Unwesen und mittendrin versucht die Weimarer Polizei, mehreren Morden auf die Spur zu kommen.

 

Das Buch beginnt nicht sonderlich schockierend, es braucht einige Zeit, um den verschiedenen Szenen folgen zu können und zu verstehen, welche Rolle sie für den weiteren Verlauf spielen. Ab dem ersten Drittel der Geschichte zieht das Tempo jedoch stetig an, was anfangs eher nach unspektakulärem Kriminalfall aussieht, entpuppt sich zu immer mehr Gänsehautmomenten. Spätestens da hatte mich Felix Leibrock wieder in den Bann seiner Geschichte gezogen, meine Befürchtungen, dass es dieses Mal etwas seichter sein könnte, als in „Todesblau“, verkehrten sich glücklicherweise ins Gegenteil. Insbesondere die Praktiken der Sekte „Axt Satans“ bewirkten ein angenehm-gruseliges Herzklopfen (verbunden mit dem Gefühl der wohligen Sicherheit, die ein heimisches Sofa beim Lesen vermittelt).

Im Vergleich zum ersten Buch ist diese Geschichte noch verzwickter und vielschichtiger, die verschiedenen Wege, Verdächtigen und potentiellen Mordmotive noch mehr miteinander verflochten.

Die handelnden Figuren bieten weitere Einblicke in ihr Privatleben und wirken auch in „Eisesgrün“ sehr überzeugend und authentisch. Hier ist es aber noch eher die Handlung, die großartige Steigerung im Verlauf der Geschichte, die mich als Leserin wieder begeistert zurückgelassen hat. Bei einem guten Buch möchte man, dass es schnell zu Ende ist, um den Ausgang zu erfahren. Andererseits will man gerade dies nicht, weil damit auch die fesselnde Lesezeit vorbei ist. Demnach ist „Eisesgrün“ nicht nur ein gutes Buch für mich, sondern ein mitreißendes, es wird kaum möglich sein, mindestens die letzten 100 Seiten nicht in einem Rutsch durchzulesen.

 

An den Schreibstil hatte ich nach dem Lesen des ersten Bandes hohe Erwartungen, die auch hier in keinster Weise enttäuscht wurden, ebenso ergeht es mir mit der Schlüssigkeit der Handlung. Auch die hervorragende Recherchearbeit des Autors zeigt sich wieder, dieses Mal unter anderem deutlich in medizinischen Belangen. Und ohne zuviel verraten zu wollen: Der Schluss ist logisch und passend, alle losen Fäden finden zum Hauptknoten und die mittlerweile bekannten Figuren würde ich liebend gerne in einem weiteren Buch wiederfinden. Ein leichtes Schmunzeln entlockte mir der klitzekleine Hinweis auf eine blaue Parkbank, die das Cover eines nicht ganz so fiktiven Buches in der ansonsten erfunden Handlung zierte ...;-)

 

Insgesamt hat mir „Eisesgrün“ noch ein bisschen besser gefallen als „Todesblau“, allerdings nur, weil es etwas blutrünstiger ist und noch eher in den Bereich des Thrillers geht. Kritikpunkte habe ich bei beiden nicht finden können, von mir gibt es eine klare und deutliche Kaufempfehlung für beide. Wenn ich Noten vergeben müsste, wäre „Todesblau“ eine 1 und „Eisesgrün“ eine 1 mit Sternchen.

 

  • 368 Seiten, Knaur TB (1. April 2016)

Todesblau

 

 

Eine blaue Kathedrale, ein ehemaliges Kinderheim und zwei Mordopfer, in Verbindung mit reichlich Wortgewandtheit und guter Recherche: Ein überraschend spannendes Lesevergnügen.

 

Streifenpolizist Sascha Woltmann ist gerade mit seiner Familie von Berlin nach Weimar gezogen und erhofft sich hier, zur Kripo wechseln zu können. Nach einem Mord an einer alten Dame wird er tatsächlich ins Ermittlerteam gerufen und trifft hier auf seine alte Schulfreundin Mandy Hoppe. Anfängliche Zwistigkeiten stören die Zusammenarbeit, sind aber Nichts im Vergleich zu den Unstimmigkeiten mit kriecherischen Kollegen und einem sehr karriereorientierten Chef.

Die Ermittler erkennen schnell, dass die Tote eine ehemalige Erzieherin eines Kinderheims der DDR ist, die nicht gerade zimperlich mit ihren Schützlingen umging. Rache als Mordmotiv steht im Raum, bis das Gespräch auf ein mysteriöses Bild kommt und sich weitere potentielle Motive und damit auch Tatverdächtige dazu gesellen. Nichts scheint zusammen zu passen, heiße Spuren sind ganz schnell wieder kalt und der Druck der Öffentlichkeit wächst. Mehrere Wendungen bringen Spannung und Verwirrung dazu und bis zum Schluss ist nicht klar zu erkennen, wie das Ganze ausgeht.

 

Dies kurz zum Inhalt, wie immer bei Krimis und Co halte ich mich bei der Inhaltsangabe kurz, um nicht zuviel zu verraten. Und weil ich gerade den Schluss erwähnt habe: Genau der hat mir sehr gut gefallen, eben weil er nicht zu früh offensichtlich und trotzdem logisch war. Ein roter Faden zieht sich durch das gesamte Buch, ab und zu dröselt er sich in einzelne Stränge auf, aber zum Ende hin werden sie alle ordentlich verknotet.

 

Die Idee zu der Geschichte ist gut durchdacht und mir so vorher noch nicht untergekommen. Sämtliche Themen scheinen sehr gut recherchiert zu sein, auf jeden Fall klingen sie für einen Laien wie mich so. Dies hat auch die Figuren sehr authentisch wirken lassen, ein Kunstprofessor zum Beispiel muss natürlich auch als fiktive Figur wissen, wovon er redet. Dies hat Felix Leibrock perfekt umgesetzt. Auch das Ermittlerduo samt Gegenspielern wurde sehr bildlich dargestellt, ich hatte schnell das Gefühl, die Personen zu kennen. Obwohl reichlich (Neben)figuren auftreten, kann man gut den Überblick behalten. .

 

Sprachlich und stilistisch hat mich das Buch ebenfalls sehr überzeugt. Es liest sich flüssig und angenehm, Fremdwörter werden an den passenden Stellen verwendet und insgesamt lebt die Geschichte durch einen großen Wortschatz und Bildreichtum. Damit sind alle für mich wichtigen Kriterien erfüllt, um ein Buch als perfekt zu empfinden: Schöne Handlung, plausibles Ende, authentische Personen und ein sehr guter Schreibstil.

So sehr ich also auch nachdenke: Ich finde nichts zu meckern, nicht mal Kleinigkeiten, die mir sauer aufgestoßen wären oder die mich gar daran hindern würden, das nächste Buch von Felix Leibrock zu lesen. Das einzig Fragwürdige ist, warum ich erst jetzt auf diesen Autor gestoßen bin ;-)

 

Von mir gibt es demnach eine ganz deutliche Kaufempfehlung. Krimifans wird dieses Buch bestimmt gefallen und auch Leser wie ich, die sich sonst eher im düsteren Thrillersektor zuhause fühlen, sollten hier, zumindest was Idee und Schreibkunst angeht, auf ihre Kosten kommen.

  • 352 Seiten,  Knaur TB (1. April 2015)

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