Tag Null

Ein spannendes, sehr gut recherchiertes Thrillerdebüt

 

Auftragskiller Tom an einem ganz normalen Arbeitstag: Zielperson aufsuchen, eliminieren, Feierabend. Doch dieses Mal ist es anders, der Schuss geht daneben, ein unverzeihlicher Fehler. Tom selbst ist irritiert, kennt er doch sonst auch kein Mitleid mit seinen Opfern. Irgendetwas muss ihn mit der Zielperson verbinden. Er will mehr über sie herausfinden, stellt seinem Auftraggeber Fragen und letzten Endes sich selbst damit auf die Abschussliste. Was er herausfindet, sind Hinweise auf Korruption und Geldgier, selbst Machthaber in hohen Politikerkreisen und bei der Polizei scheinen involviert zu sein. Die Ermittler Berg und Landers sind währenddessen damit beschäftigt, die vorherigen Morde Toms zu untersuchen. Beide Handlungsstränge führen letztlich zur Balkan-Mafia, die in Frankfurt sehr mächtig zu sein scheint.

Nebenbei erfährt der Leser noch manches wissenswertes über die Staaten des ehemaligen Jugoslawiens, die Recherchearbeit des Autors hat mich hier sehr beeindruckt. Für mich ist dies ganz sicher nicht mein Spezialgebiet, aber soweit ich es beurteilen kann hat Herr Tewes sich hier nicht auf seine Phantasie berufen, sondern präsentiert neben der fiktiven Geschichte auch harte Fakten.

 

Tom als kalter, gefühlsarmer Killer, der nach und nach doch so etwas wie Emotionen entwickelt und seinen Beruf in Frage stellt, ist mir von Beginn an sympathisch gewesen, trotz seiner Tätigkeit. Dies ist ein Thema in Thrillern, welches mir generell sehr gut gefällt: wenn ein Autor es schafft, den Bösewicht zum Guten zu machen und man beim Lesen immer ein bisschen zwiespältig bleibt. Dies ist hier sehr gut gelungen.

Die anderen handelnden Figuren sind dabei etwas blasser geblieben, von Kommissarin Landers vielleicht noch abgesehen. Ich hatte manches Mal das Gefühl, sie nicht wirklich kennenlernen zu können. Der Grund dafür liegt meiner Meinung nach in der sehr häufig verwendeten indirekten Rede, Gespräche zogen so leicht an mir vorbei, als dass ich mittendrin gewesen wäre. Andererseits gibt dies dem Ganzen eine gewisse Sachlichkeit, einen Abstand vom Buch, und Gefühlsduseleien finden keinen großartigen Platz. Mag sein, dass dies vom Autor durchaus beabsichtigt war.

Das Ende der Geschichte gefällt mir gut, lose Handlungsstränge fügen sich schön zusammen, es wird noch einmal richtig spannend und das Finale ist passend, wenn auch nicht allzu überraschend.

Der Schreibstil ist flüssig, wortgewandt und gut zu lesen, von der erwähnten, mir zu häufigen indirekte Rede mal abgesehen.

 

Irgendjemand sagte mal zu mir, das zweite Buch eines Autors sei häufig das Beste, das Erste immer noch ein bisschen Übungsobjekt, die dritten und weiteren oft schon etwas übersättigt.

Leif Tewes hat zwar schon Fachbücher veröffentlicht, im Bereich der Kriminalliteratur ist dieses jedoch sein erstes Werk. Da es mir schon jetzt ziemlich gut gefallen hat, bin ich gespannt auf Nummer zwei.

Auf jeden Fall sollte man den Autor im Auge behalten, wenn man spannende Thriller mag, die auch politische und kritische Themen aufgreifen.

Wer sich bei solchen Büchern angesprochen fühlt, kann ruhigen Gewissens zugreifen, klare Kaufempfehlung von mir.

 

Paperback, 232 Seiten, 2015