Lena Sander

Stummer Schmerz

Quelle: Amazon

Zwei Frauen treffen in einer psychiatrischen Klinik aufeinander, nur kurz, und doch scheinen ihre Wege untrennbar miteinander verwoben.

Nele befindet sich in dieser Klinik, weil sie ihr neugeborenes Kind verloren hat. Den Schmerz darüber kann sie nicht verarbeiten. Und Emely, tja, die hat solch einen großen Sack voller Probleme, dass sie selbst nicht mal weiß, warum sie in der Klinik ist. Nur dass es ihr nicht gut geht, ist offensichtlich. Und dann verschwindet sie spurlos, nur ein Blutfleck bleibt von ihr zurück ...

 

Viel mehr kann ich zu dem Inhalt gar nicht schreiben, denn jedes weitere Wort würde eventuell schon zu viel verraten. Nur soviel sei gesagt:

Lest dieses Buch selbst.

Es ist ein unglaublich guter Psychothriller, der mich erst völlig verwirrt, dann auf total falsche Wege geschickt und schließlich ratlos zurückgelassen hat. Ratlos nicht, weil das Ende nicht schlüssig war, im Gegenteil. Das Ende ist toll und hätte nicht passender sein können. Ratlos war ich, weil auch dieses Buch auf Fakten beruht, die schlimm sind, leider nicht so selten und leider steht es so gar nicht in meiner Macht, daran etwas zu ändern. Und so bin ich jetzt gerade, nach dem Lesen, wirklich emotional berührt, was nach Thrillern fast nie passiert. Gewaltdarstellungen, Folter, Brutalitäten etc bin ich als Vielthrillerleserin gewöhnt und in dem Punkt stumpf. Nur selten nehmen mich diese Themen emotional mit und darum halte ich dieses Buch wieder mal für etwas sehr Besonderes. So erging es mir auch schon bei „Phobie“, dem aktuellsten Buch der Autorin. Aber dieses toppt es noch um Längen und hebt damit die Autorin auf einen Platz sehr weit oben zu meinen „Lieblingsschreiberlingen“. Ganz große Kunst.

 

Es ist nicht so, dass man hier vor lauter Spannung durch das Buch gejagt wird und trotzdem hält das Geschriebene den Leser fest. Es hat mich wirklich zum Weiterlesen gezwungen, ich musste wissen, was es mit der Geschichte um Emely und Nele auf sich hat, ich musste wissen, was real ist und was vielleicht doch nur die Hirngespinste einer psychisch Erkrankten sind und ich musste vor allem wissen, wie es endet.

 

Der Schreibstil war dabei sehr hilfreich, flüssig und anschaulich zu lesen und besonders die Dialoge zwischen Nele und Beata, ihrer Freundin, waren sehr kurzweilig. Die Figuren haben eine unglaubliche Tiefe entwickelt, sonst hätte ich nicht so mitfiebern können. Und dies trifft nicht nur auf die Protagonisten zu, sondern gerade auch auf die Nebenfiguren. Immer mal wieder wurden kleine Diaglogszenen im Dialekt verfasst, der das ganze sehr authentisch macht (ich weiß allerdings nicht, welcher Dialekt: Wie spricht man im Schwarzwald? Für mich als Nordlicht las es sich jedenfalls charmant-unverständlich ;-))

 

Das Cover ist relativ schlicht, aber eindrücklich. Der kleine Fußabdruck sorgt spätestens dann für Gänsehaut, wenn man weiß, was er bedeuten könnte.

 

Zusammenfassend überzeugt dieses Buch in allen Punkten und es gibt nicht die kleinste Kleinigkeit, die ich kritisieren würde, einen so verwirrend und überzeugend guten Psychothriller habe ich selten gelesen, von mir gibt es eine absolute Kauf- und Leseempfehlung.

Audio-Rezension

Hier findet ihr meine Meinung zu dem Buch in gesprochenen Worten. Der Text in Schrift und Sprache ist nicht gleich, sagt aber das Gleiche aus ;-) Viel Spaß beim Hören.

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Phobie

Quelle: Amazon

 

Fünfzehn Menschen mit unterschiedlichsten Phobien, ein Professor, eine Assistentin und eine Handvoll Hotelangestellte in einem abgeschiedenen Haus sind an sich schon eine Herausforderung, nehme ich an. Wenn es nun aber auch noch einen Erdrutsch gibt, das Hotel zerstört wird, die Besucher dort gefangen sind und ein Mörder unter ihnen zu sein scheint, wird es richtig spannend.

 

Genau diese Stimmung hat Lena Sander in ihrem Psychothriller „Phobie“ eingefangen und aufrecht erhalten: Spannend bleibt es bis zum Schluss. Brutalität und Gewalt spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle, wichtiger sind die kleinen dunklen Ecken und Geheimnisse, die sich in der Psyche der Protagonisten oder auch in dem eingestürzten Hotel verstecken. So recht über den Weg trauen kann man niemandem.

Auf den ersten Blick erscheinen die Bewohner zwar alle ganz nett, wenn auch durchaus ein bisschen schrullig aufgrund ihrer Erkrankungen und Eigenarten. Trotzdem sterben Menschen unter seltsamen Umständen, und dann ist da noch diese Sache mit der Clownsmaske …

 

Gleich zu Beginn hat die Autorin mich schon mit ihrem Prolog gepackt, ich mag es sehr, gleich eiskalt in eine Geschichte geworfen zu werfen. Sehr interessant fand ich auch die kurze, knackige und dennoch informative Beschreibung der verschiedenen Krankheitsbilder. Natürlich habe ich schon mal von verschiedenen Phobien gehört, aber einige Ängste der Protagonisten waren mir vorher völlig unbekannt. Meinetwegen hätte das Buch gut ein paar Seiten länger sein und in Sachen Figurenentwicklung noch tiefer gehen können, einfach, weil ich es sehr spannend finde.

Soweit ich es beurteilen kann, sind die Fakten, auf denen diese Geschichte beruht, sehr gut recherchiert, am Ende des Buches gibt es dazu noch ein paar zusätzliche Informationen. Gerade diese Faktenbasiertheit macht das Buch zu etwas Besonderem, auch wenn die Geschichte so reine Fiktion ist.

Der Schreibstil ist super, die Geschichte flüssig zu lesen, was bei der Menge an Figuren und Verwirrungen definitiv eine hervorragende Leistung ist. Ich hatte beim Lesen nie das Gefühl, dass die Autorin sich irgendwo verzettelt hat, sie schien (im Gegensatz zum Leser) immer genau zu wissen, was ihre Figuren gerade tun. Lose Fäden haben sich immer wieder miteinander verbunden.

 

Das Cover ist relativ schlicht gehalten, passt zum Inhalt und gefällt mir sehr.

 

Bis zum Ende war ich mir nicht sicher, ob es wirklich einen Mörder gibt und wenn ja, wer dieser ist. Die Auflösung kam dann auch ziemlich überraschend und damit für mich damit auch der einzige, kleine Kritikpunkt: Der Schluss war mir zu schnell und zu kurz. Aber wie immer ist das ja Geschmackssache, logisch ist die Auflösung auf jeden Fall und sie passt zur Geschichte.

 

Phobie ist das neueste Werk der Autorin und für mich das erste gelesene. Es hat bei mir die Neugier auf seine Vorgänger definitiv geweckt und ich werde ganz sich noch mehr von Lena Sander lesen.

Insgesamt gibt es für dieses Buch eine deutliche Kaufempfehlung von mir, es kann sich mit Fug und Recht „Psychothriller“ nennen und punktet vor allem durch die Recherche, die Spannung und die Verwirrung, die es auslöst.

 

Audio-Rezension

HIer findet ihr nun eine absolute Premiere: Meine erste Rezension im mp3-Format. Dies möchte in Zukunft bei jeder Buchbesprechung machen, damit ist es dann eben wirklich eine "Besprechung" :-) Viel Spaß beim Hören!

Audio-Rezension: Lena Sander "Phobie"
Audio Lena Sander Phobie.mp3
MP3-Audiodatei [9.1 MB]

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Kommentare

  • Jörg Piesker (Donnerstag, 14. Oktober 2021 09:43)

    Eine großartige Rezension, die absolut perfekt beschreibt, was auch ich beim Lesen dieses fantastisch guten Buches empfunden habe. Deine Stimme ist toll, die Aufnahmequalität großartig - weiter so, ich freue mich schon auf weitere Audio-Rezensionen :-)

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