Michael Theißen

Leons Erbe

 

 

Ein totes Kind, eine verschwundene Schwester und reichlich undurchsichtige Beziehungen, verflochten zu einem spannenden Psychothriller und insgesamt gelungenem Romandebüt.

 

Katja ist verzweifelt. Nicht nur, dass ihre Schwester Nicci schon seit Wochen spurlos verschwunden ist, auch ihr Sohn Leon ist gerade bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Das allein ist schon schwer genug, als dann aber auch noch eine merkwürdige Kiste ins Spiel kommt, wird es verzwickt: Sie enthält nämlich das Lieblingsarmband ihrer Schwester. Welche Rolle spielt der mysteriöse Notar Kruse, seines Zeichens Übermittler dieses Schmuckstückes? Und was hatte Leon mit ihm zu schaffen? Katja stolpert von einem Rätsel zum nächsten und muss irgendwann selbst den letzten verbleibenden Familienmitgliedern misstrauen. Ihr Mann verhält sich gar nicht wie gewünscht, ihr Schwager führt ein Doppelleben und auch mit ihren Eltern stimmt irgendetwas nicht. Immer wieder meint sie der Lösung näher zu kommen, stößt aber jedes Mal auf weitere Hindernisse. Außerdem wird Leon nicht der einzige Tote bleiben...

 

Was sich in dieser kurzen Zusammenfassung schon verwirrend anhört, zieht sich tatsächlich durch den ganze Roman: Nichts ist klar, nichts ist wie es scheint und selbst als Leser misstraut man erstmal Jedem. Die Geschichte wirkt manchmal fast schon ein bisschen überladen, es bleibt kaum Zeit, die Situation oder die handelnden Figuren aufzunehmen und zu durchdenken, bevor schon der nächste Irrweg auftaucht. Dabei ist die Idee hinter der Geschichte sehr gut, bis zum Schluss ist nicht klar, wie der Autor aus dieser Nummer herauskommt, ein dicker Pluspunkt für dieses Buch. Trotzdem bleiben die Figuren immer ein bisschen an der Oberfläche, die Beschreibungen waren mir insgesamt nicht tief und fesselnd genug, obwohl der Stoff an sich dies sicher hergegeben hätte. Vielleicht hätten dem Buch ein paar Seiten mehr ganz gut getan, um die Handlung und vor allem die Protagonisten noch ein wenig plastischer wirken zu lassen.

Das ist jedoch der einzige Kritikpunkt, insgesamt ist es ein solider Psychothriller. Und wenn man bedenkt, dass es ein Romandebüt ist, kann man auf ein zweites Werk sicherlich gespannt sein.

 

Der Schriftstil ist angenehm flüssig zu lesen, keine Stolperfallen, keine sperrigen Sätze und ganz wichtig: Keine unlogischen Konstruktionen.

Der Schluss ist plausibel und überraschend, insbesondere das Ausmaß der Personen, die in irgendeiner Form Schuld auf sich geladen haben, ist enorm und unerwartet.

 

Insgesamt ein Werk, das mir gefallen hat und sich gut für ein paar angenehme Lesestunden zwischendurch eignet. Auf die weitere Entwicklung des Autors bin ich sehr gespannt, falls in Zukunft ein weiteres Buch von ihm erscheint, würde ich es sehr gerne lesen.

 

 

Zum Verlag

 

Ebook, Bastei Entertainment, Mai 2016

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