Thalam

Ein märchenhaftes Buch für junggebliebene Menschen

 

Eigentlich sollte der 15jährige Gidion schlafen und sich nicht mitten in der Nacht in der Gegend herumtreiben. Aber sein Gefühl hat ihn nicht betrogen: Draußen passiert etwas Ungeheuerliches! Die Lebensachse wurde gestohlen. Dadurch würde der ganze Planet aus den Fugen geraten, nicht nur sein Volk der Thalamer, auch das der Menschen wäre in großer Gefahr. Unter keinen Umständen darf die Lebensachse in die Hände der bösartigen Sinister fallen.

Es gibt jedoch nur eine einzige Möglichkeit, dies zu verhindern: Die lange prophezeite Avandtgarde muss sich formieren. Schwierig nur, dass noch nicht einmal alle vier Mitglieder dieser Errettertruppe wissen, dass sie ein Teil dieser sind...

 

Als Leser begegnet man in diesem Buch allerhand unbekannten Wesen, ziemlich deutlich erkennbar der guten oder bösen Seite zugeordnet. Einige sind so oder ähnlich bekannt, Wichtel zum Beispiel, andere wiederum weniger, wie die Schlangenfrau Rahja.

Herrlich beschrieben ist die Figur der kleinen Raupe Eugen, unauffällig, stachelig und mit Sprachfehler, trotzdem ein wichtiger Bestandteil der Geschichte.

Insgesamt hat die Autorin allen Wesenheiten, ob gut oder böse, sehr anschaulich Leben eingehaucht, ebenso wie ihre Landschaftsbeschreibungen gut nachvollziehbar sind.

Natürlich kann man auf gut 300 Seiten kein zweites Mittelerde entwickeln und Tolkien wäre als Maßstab sicherlich auch zu hoch gegriffen. Trotzdem ist hier ein schönes Fantasy-Werk entstanden, welches ich gerne gelesen habe, auch mit fortgeschrittenerem Alter.

Mein elfjähriger Sohn ist ebenfalls sehr überzeugt von diesem Buch, der Plot ist logisch und sinnvoll aufgebaut, gerade für ältere Kinder und Jugendlich gut zu lesen. Das Ende passt perfekt, es gibt keine bösen Überraschungen, so wie es sich für ein märchenhaftes Buch gehört. Nicht alle losen Fäden werden jedoch zusammengeführt, so dass ich mir gut vorstellen kann, dass es noch einen zweiten Band geben wird. Meinetwegen gerne, ich würde ihn lesen.

Gut gefallen hat mir die Beziehungsgestaltung der Figuren, immer wieder blitzt zwischen Neckereien und sogar Bösartigkeiten auch tiefe Verbundenheit auf.

Selbst die großartigen Helden und Heldinnen sind sich nicht zu schade, ihre Gefühle zu zeigen, auch bei den starken Männern können schon mal Tränen fließen. Außerdem sind von den vier Rettern der Weltachse nur zwei männlich, die andere Hälfte bilden weibliche Helden, die sich in keinster Weise die Butter vom Brot nehmen lassen und auch in Kämpfen „ihren Mann“ stehen.

 

Sprachlich ist das Buch der Zielgruppe angemessen, keine langen Satzverschwurbelungen, die das doppelte und dreifache Lesen eines Satzes erfordern würden, klare Sprache, trotzdem aber nicht billig oder gar unschön.

Ein bisschen irritiert war ich anfangs über den Wechsel der Erzählinstanz, zeitweise berichtet Gideon aus der Ich-Perspektive, die anderen Handlungsstränge werden dagegen von außen erzählt. Die Gewöhnung daran fiel mir jedoch nicht schwer und gelang schnell, irgendwann erschien es völlig logisch. Handwerklich also alles so, wie es sein soll.

Insgesamt ein Buch nicht nur für die genante Altersgruppe, wer generell gerne phantastische All-Age Bücher mag, kann hier beruhigt zugreifen.

 

Hardcover, 336 Seiten, 2015

 

Riverfield Verlag

 

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