Antworten auf den etwas anderen Fragebogen für Blogger/Redakteure (und mehr)

Vor einiger Zeit habe ich mich schon den interessanten Fragen von Stefan Mesch gestellt. Da ich Fragebögen mag (und vielleicht tatsächlich ein bisschen selbstdarstellerisch veranlagt bin), konnte ich auch den etwas anderen, stacheligeren Fragen von Chris Popp auf Booknerds.de nicht widerstehen.

 

Vielen Dank für die Idee und den Anstoss zur Selbstreflexion :-)

 

 

Runde 1 – Gemischte Fragen an Blogger, Redakteure und mehr (softcore und medium):

 

Welche Daseinsberechtigung hat Dein Blog?

Für mich ist er einfach ein schönes Hobby, er ermöglicht Kontakte zu anderen buchinteressierten Menschen und bringt mich meinen Büchern näher.

 

Der Blog oder das Blog?

Der Blog

 

Einer Deiner Artikel wird von einem anderen Blogger oder beispielsweise einem Amazon-Rezensenten geklaut. Wie reagierst Du?

Im Moment ist mein Blog wohl noch zu klein, so dass irgendwelche dubiosen Menschen noch nicht darauf aufmerksam geworden sind. Falls doch mal ein solche Fall eintreten sollte, würde ich die Person wohl anschreiben und sie um eine Erklärung bitten. Großartig ärgern würde ich mich wahrscheinlich nicht, man kann das ganze ja auch als Kompliment auffassen: Immerhin hat meine Rezension dann soviel Anklang gefunden, dass sie geklaut wurde. Ganz schlecht kann sie demnach nicht gewesen sein.

 

Dein Blog ist urplötzlich offline, nichts geht mehr. Wie reagierst Du dann?

Sicherlich verärgert, ich würde zügig zusehen, dass das Problem behoben wird. Sollte es nicht klappen, tja... müsste ich mich wohl wieder ausschließlich im realen Leben mit meinen Mitmenschen über Bücher unterhalten.

 

Du hast einen Gutschein erhalten, um 2.500 gleiche Artikel Deiner Wahl mit dem Logo Deines Blogs als Werbeartikel anfertigen zu lassen. Allerdings sind Flyer, Lesezeichen, T-Shirts und Kugelschreiber tabu. Welchen Artikel würdest Du auswählen?

Keinen, für das Geld könnte ich einige Wochen unbezahlten Urlaub nehmen und meinen Blog auf Vordermann bringen. Das wiederum würde mir wahrscheinlich mehr Leser einbringen, als irgendwelche Werbemittel.

 

Nenne zwei Bücher und Deinen persönlichen perfekten Soundtrack dazu.

Psychothriller und Death Metal passt immer, ohne mich auf zwei Bücher beschränken zu müssen. Bei ruhigeren, düsteren Schriftstücken nehme ich auch gerne Doom Metal á la Ahab.

 

Schreibst Du Deine Rezensionen handschriftlich vor?

Nein, bestenfalls einzelne Notizen während des Lesens.

 

Verunstaltest Du Bücher für deine Schreibarbeit mit Knicken, Markierungen etc. oder behandelst Du sie eher wie ein rohes Ei?

Wie rohe Eier behandele ich sie nicht, Bücher sind zunächst Gebrauchsgegenstände, erst danach Deko-Objekte. Trotzdem schreibe ich nur selten darin herum.

 

Wenn Du eine Schreibblockade hast – wie gehst Du vor, um diese zu überwinden?

Da ich ja nur selten gezwungen bin , etwas zu schreiben, kenne ich dieses Problem eigentlich eher nicht. Wenn ich keine Lust habe oder mir gerade die Ideen fehlen, schreibe ich eben nicht, sondern mache etwas anderes.

 

Schreibe ein kleines Gedicht (mindestens Vierzeiler) über Dein(en) Blog.

In jedes kleine Kämmerlein

passen viele Bücher rein.

Im Keller steh`n die düstren Sachen,

im Wohnraum lässt´s sich ganz gemütlich machen.

Die Küche ist zum Kochen da,

zum Essen auch, na klar.

Im Privatraum wohn` nur ich,

andere Blogs nennen´s „Über mich“.

Buchstaben hier wie dort,

Texte an jedem Ort,

nur eines kann ich nicht:

Ein Gedicht.

 

Du liest in einer anderen Rezension absoluten (tatsächlichen!) Unfug – sie quillt über vor inhaltlichen Fehlern. Wie reagierst Du? Kommentierst Du? Schreibst Du den Verfasser an? Oder hältst Du die Finger still?

Wenn die Rezension über die sozialen Netzwerke verbreitet wird, würde ich dort kommentieren und (höflich) meine Meinung darstellen bzw. zu einer Diskussion aufrufen.

 

Hast Du schon mal eine Idee von anderen Bloggern geklaut?

Nicht bewußt.

 

Hast Du Dich schon mal einer Formulierung in einer anderen Rezension bedient, die Du gerne so ähnlich auch in einem Deiner Texte haben wolltest?

Nein, ich lese Rezensionen zu Büchern meistens erst, wenn ich meine schon online habe, erst dann finde ich sie spannend um meine Meinung mit anderen abzugleichen.

Das exotischste Buch in Deiner Sammlung ist:

Exotisch ist eher der Inhalt, mein liebstes Buch ist ein Kochbuch von Henriette Davidis aus dem Jahr 1898.

 

Runde 2 – Gemischte Fragen an Blogger, Redakteure und mehr (medium+ und hardcore):

 

Stell Dir vor, man böte Dir an, Dein(en) Blog oder zumindest Deine Internetadresse für einen ordentlichen Batzen Geld zu verkaufen. Was würdest Du tun?

Darüber nachdenken. Eine Menge Geld würde bedeuten, weniger arbeiten zu müssen und mehr Zeit zum Schreiben zur Verfügung zu haben. Ich könnte also einen neuen Blog starten und dabei dann auch Anfängerfehler vermeiden. Andererseits ist mein jetziger Blog eng mit mir verbunden, es würde mir sehr Leid tun, wenn er sich in eine Richtung entwickelt, die sich gar nicht mit meinen Werten vereinbaren ließe. Die Entscheidung ist schwer, ich könnte sie ohne weitere Hintergrundinfos nicht fällen.

 

Geld verdienen mit Deinem Blog – wie weit würdest Du gehen?

Ich will keine Leser mit nervigen Werbeeinblendungen verprellen, ein Blog ohne Leser macht kaum Spaß. Unaufdringliche Werbemaßnahmen dagegen fände ich in Ordnung, solange sie Firmen betreffen, die zu meinem Blog und zu mir passen.

 

Hast Du schon mal heimlich ein Buch gelesen/einen Film gesehen/eine Serie geschaut, obwohl Du eigentlich sagtest: „Den Mist? Never ever!“?

Klar :-)

 

Liest Du Dich selbst gern?

Manchmal. Es gibt Texte, die mich im Nachhinein positiv überraschen. Der deutlich größere Teil schreit aber beim späteren Lesen nach Überarbeitung.

 

Man lobt Dich für einen Deiner Beiträge oder gar für Dein ganzes Blog total in den Himmel. Wie gehst Du mit diesem Lob um?

Ich freue mich, solange es nicht so übertrieben wirkt, dass ich das Gefühl haben muss, der Schmeichler will eigentlich irgendwas von mir.

 

Man attestiert Dir aufgrund einer Kritik keine Ahnung. Wie reagierst Du auf so etwas?

Erstmal gekränkt, zuerst sind immer die anderen Schuld und erst dann ich. Nach einiger Zeit würde ich darüber nachdenken und gucken, ob der Kritiker vielleicht doch Recht hat. Meine Reaktion ist auf jeden Fall sehr abhängig von der Person, es kommt darauf an, was sie mir bedeutet und für wie kompetent ich sie halte.

 

Man wirft dir als Blogger/Journalist vor, Du übtest Deine Arbeit nur aus, um so möglichst viele Rezensionsexemplare abzugreifen. Wie begegnest Du diesem Vorwurf?

Ich würde entgegnen, dass ich mich sehr über Rezensionsexemplare freue (wenn ich sie denn überhaupt haben wollte), mir trotzdem aber noch sehr viele Bücher selbst kaufe. Wer solche Vorwürfe macht, kann ja gerne auch einen Blog starten und selbst feststellen, ob es sich lohnt (bzw. überhaupt möglich ist) diesen Aufwand zu betreiben, nur um ein paar Bücher abzugreifen.

 

Ein Autor oder Verlag verlangt von Dir, Deine Rezension abzuändern oder gar zu löschen. Wie wirst Du handeln? Oder ist Dir das gar passiert? Falls ja: Wie hast Du gehandelt?

Ich würde sie auf keinen Fall ändern, Rezensionen sind nun mal subjektiv. Bei Selfpublishern würde ich unter Umständen mit dem Autor in Kontakt treten und ihm meine Meinung begründet kundtun. Reagiert er freundlich und angemessen, würde ich, wenn gewünscht, ganz von einer Veröffentlichung absehen. Zickt er mich an, mache ich die Rezension wie geplant öffentlich.

 

Der Autor/Verlag droht mit einer Klage, wenn Du die Rezension nicht abänderst/löschst. Und nun?

Frage ich Menschen, die sich auskennen, nach möglichen Konsequenzen.

 

Hast Du bei Rezensionen schon mal geschummelt (beispielsweise das Buch nicht zu Ende gelesen und trotzdem eine vollständige Rezension geschrieben)?

Nein, die allermeisten Bücher sind nicht so schlecht, dass ich sie vorzeitig beenden würde. Falls doch mal, kämpfe ich mich durch und schreibe dies auch in der Rezension.

 

Sind Zugriffszahlen/Like-Zahlen und Followerzahlen wichtig für Dich? Wie wirken sie sich hinsichtlich Motivation aus?

Sie sind eine der wenigen Möglichkeiten festzustellen, wer überhaupt Notiz nimmt von meinem Blog. Deswegen sind sie schon interessant und ich freue mich, wenn die Zahlen steigen. Ich versuche aber, dem nicht allzu viel Bedeutung beizumessen, da ein Like noch lange nicht heißt, dass derjenige auch irgendetwas von mir gelesen hat. Da sind direkte Nachrichten oder Kommentare schon hilfreicher.

 

Liest Du auf dem Klo?

Nein, lohnt sich nicht.

 

Runde 3 – Zur Entspannung. Du als Konsument (softcore und seicht):

 

Gab es schon mal einen Protagonisten in einem Buch oder eine Figur in einem Film oder einer Serie, und Du dachtest: Verflucht, kennt der Autor mich?

Nö. Es gab sicherlich Protagonistinnen, an deren Stelle ich gerne gewesen wäre, die aber eigentlich nicht viel Gemeinsamkeiten mit mir aufweisen.

 

Welches ist Dein peinlichstes Lieblingsbuch/Dein peinlichster Lieblingsfilm/Deine peinlichste Lieblingsserie?

Bücher sind nicht peinlich und bei Serien mag ich nur eine Einzige. Vielleicht mag es jemand als peinlich empfinden, dass ich mit fast 40 Lebensjahren immer noch gerne Kinderbücher lese, ich finde es in Ordnung.

 

Welches war das frustrierendste Buchende/Filmende/Serienfinale für Dich? Wie hätte es ausgehen sollen? Warnung an die Leser der Antworten: Spoileralarm!

Das Ende eben jener einzigen von mir gemochten Serie, „Dexter“, war doof. Ich wollte gar kein Ende haben. Und schon gar nicht so eines.

 

Wenn Dein Leben oder Deine persönliche momentane Situation als Buch oder Film veröffentlicht würden: Wie hieße das Buch/der Film?

Es bleibt spannend.

 

Welches Buch/welcher Film/welche Serie hat Dich derart beschäftigt und aufgewühlt, dass Du tagelang an kaum etwas anderes denken konntest?

„Der Schwarm“ von Frank Schätzing war das Buch, das ich am nachhaltigsten im Kopf behalten habe.

 

Hast Du schon einmal einer Figur aus einem Buch, einem Film oder einer Serie nachgeeifert? Oder wurdest Du hierdurch zu einer Handlung/Tat inspiriert?

Da ich am liebsten Thriller lese: Ich hoffe nicht.

 

Runde 4 – Drei Dinge, die…

 

das Schreiben schreibenswert machen: Intensität, Umgang mit Sprache, Kreativität

 

Dir bei manch anderem Blog mächtig auf die Nerven gehen: aufpoppende Werbung, die sich nur mühsam wegklicken lässt, zuviel Geblinke, massive Fehler oder extrem krumme Texte (was glücklicherweise nur sehr selten vorkommt)

 

Du Dir bei deinem eigenen Blog schon ewig vorgenommen, aber noch nicht verwirklicht hast: Eine Menge... zuallererst Tippfehler in alten Rezis ausmerzen

 

Dir das Lesen spontan madig machen: Offensichtliche Grammatik- und Rechtschreibfehler, Zeitdruck

 

Du gerne als Ausrede nutzt, nur um mehr Zeit zum Lesen zu haben: Aufräumen und Putzen wird überbewertet.

 

nicht so wichtig sind wie dein Blog: siehe Antwort vorher. Kraut im Garten ist auch schön.

 

Dir definitiv wichtiger sind als dein Blog: Meine Familie und Freunde

 

Runde 5 – ein paar Sätze zum Vervollständigen:

 

Amazon ist…eine gute Suchmaschine für Bücher

 

In meinem Wohnort…ist der Hund begraben.

 

Ein Autor schreibt Bücher, weil…ihm das Schreiben Spaß macht.

 

Hysterisierung und Pathetisierung in der Literatur…kann man machen, muss man aber nicht.

 

Was ich im Literatur-/Film-/Serienbusiness niemals verstehen werde, ist…warum sehr gute Bücher in keinem Verlag unterkommen, während andere hochgelobt und beworben werden, die mir nur mäßig gefallen.

 

Booktuber…sind für mich uninteressant, vielleicht eine Frage des Alters.

 

Dieser Fragebogen…war lang, spannend und die Beantwortung hat Spaß gemacht. Vielen Dank dafür.

Und auch an die Leser, die sich bis hierher gearbeitet haben: Danke ;-)

 

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Kommentare

  • Devona (Dienstag, 13. Oktober 2015 08:08)

    Damit es sich gelohnt hat: ICH hab`s gelesen ! :-) Das war vielleicht Arbeit ( also das Schreiben...), hat bei mir länger gedauert als eine Rezension.

    PS. Kinderbücher in fortgeschrittenem Alter sind völlig normal, ich weiß, wovon ich rede. ;-)

  • Sylvia Meywerk (Sonntag, 10. Januar 2016 15:26)

    Ja, ich habe deine Antworten auch gelesen - sehr sympathisch!

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