Unter schwarzen Federn

Sabrina Schuh

Märchenspinnerei Band 11

 

 

 

Bei dieser Geschichte bleibt kein Auge trocken

 

 

Fee ist fertig, ihr Lebenswille gebrochen und wenn man ihre Umstände kennt, ist dies sogar nachvollziehbar. Ihren letzten Schritt hat sie sich sorgsam überlegt, nichts soll ihren Selbstmord verhindern. Nicht nur der Sprung von der Brücke, auch ein Seil um den Hals wird dafür sorgen, dass ihr Leid endlich ein Ende nimmt. Sie hat an alles gedacht, nur nicht daran, dass Markus im letzten Moment an der Brücke vorbei radelt. Gerade er, der Sunnyboy der Schule. Er ist garantiert der Letzte, von dem sie sich retten lassen will. Und doch schafft er es, sie wenigstens vorerst davon zu überzeugen, sich helfen zu lassen. Dabei macht sie es ihren Mitmenschen nicht leicht, zu tief sind ihre seelischen Wunden. Doch auch Markus hat sein Päckchen zu tragen, und gegenseitig vertrauen sie sich ihre tiefsten Geheimnisse an. Bis Markus einen groben Fehler begeht.

 

Wird aus dem hässlichen Entlein ein schöner Schwan?

Man weiß es nicht, und als Leser ist man manchmal so tief in den Emotionen der Protagonisten versunken, dass man sich selbst schon fast wie das kleine, einsame Entchen fühlt. Hier möchte ich auch schon auf die große Stärke dieses Buches verweisen: Sabrina Schuh hat es geschafft, mit Worten unglaubliche Emotionen zu wecken. Ihre Geschichte hat mich eiskalt erwischt, mir liefen beim Lesen mehrmals die Tränen über das Gesicht, und das vermögen in dem Ausmaß nur wenige Bücher. Fees Geschichte ist unglaublich traurig, und auch die von Markus steht dem in nichts nach. Aber sie macht auch wütend. Ich habe mich beim Lesen über die Mobber in der Schule der beiden geärgert und noch viel mehr über ihre jeweiligen Eltern, die diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdienen. Schlimm daran ist vor allem, dass dies zwar eine fiktive Geschichte, ja sogar ein Märchen ist, sie aber dennoch erschreckend realistisch und nicht unwahrscheinlich ist.

 

Was mich gar nicht gestört hat, aber erwähnt werden sollte ist, dass es in diesem Buch keine fantastischen Elemente gibt. Trotzdem ist es eine Märchenadaption, die Handlung ist schon deutlich an das hässliche Entlein von Hans Christian Andersen angelehnt, auch wenn die Protagonisten Menschen sind. Und irgendwie entwickeln die Gefühle der Figuren in dem Buch auch eine ganz eigene Art von Magie, in gewissener Form ist dieser Märchenanteil also schon vorhanden.

Die meisten Märchen bleiben sehr an der Oberfläche, behandeln Klischees und Stereotype und lassen dem Leser viel Freiraum für die Ausgestaltung der Geschichte. Dies habe ich hier nicht so empfunden. Wie schon geschrieben, hatten die Emotionen eine unglaubliche Tiefe und auch die Protagonisten waren sehr anschaulich dargestellt. Ich vermute, die Autorin kannte sie sehr gut, bevor sie ihre Geschichte zu Papier brachte.

Es bleiben keine Fragen offen, keine Unstimmigkeiten und schon gar nicht das Gefühl, ein irgendwie halbgares Buch zu lesen.

Interessant fand ich auch die Kapiteleinteilung, sie wechselt konsequent ab zwischen den beiden Hauptfiguren, beide sprechen in der Ich-Form und erzählen die Geschichte jeweils aus ihrer Sicht weiter.

Selbst bei den Nebenfiguren hat die Autorin wert auf Authentizität gelegt, insbesondere Fees Mutter kam einer Furie gleich und ich habe sie auch genauso vor meinen Augen gesehen.

Der Schreibstil ist klar, bildhaft und sehr schön zu lesen und die Autorin hat geschafft, was für mich ein riesiger Pluspunkt ist: Sie hat mit Worten gemalt, eine Welt in meinem Kopf entstehen lassen, die mich so gefangen nahm, dass ich das Buch in einem Zug zu Ende gelesen habe.

Der Schluss rundet das Ganze ab, er ist passend und jeden anderen hätte ich als Leser auch nicht verziehen ;-)

Wie oft in der Märchenspinnerei gibt es von mir eine ganz klare Kaufempfehlung für jedes Alter, vor allem aber für Jugendliche und junge Erwachsene.

 

 

Märchenspinnerei, 2018, 312 Seiten, Taschenbuch, Ebook

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