Annette Dutton

Das geheime Versprechen

 

 

Ein Buch in Moll.

 

Eine sehr bewegende Geschichte über das Schicksal einer jüdischen Familie vom Dritten Reich bis heute.

 

Den Inhalt hier knapp zusammenzufassen gestaltet sich nicht so leicht, zu vielschichtig ist die Geschichte. Auch die vielen Szenenwechsel, zeitlich wie örtlich, erleichtern dies nicht. Zu betonen ist allerdings gleich vorweg, dass dies dem Lesevergnügen in keiner Weise geschadet hat. Nicht zuletzt dank gut strukturierter Kapitel samt passender Überschriften wusste ich jederzeit, wo ich mich gerade befand. Aber nun doch erst einmal der Versuch einer Inhaltsangabe.

 

Die 15jährige Jüdin Leah wird kurz vor Anbruch des zweiten Weltkrieges von ihren Eltern von Deutschland nach England geschickt, zusammen mit vielen anderen Kindern. Unterwegs im Zug lernt sie den fast gleichaltrigen Michael kennen, der bis an ihr Lebensende eine Rolle für sie spielen soll. In England landet sie bei einer sehr vornehmen Familie, die sich augenscheinlich gut um sie kümmert...bis sie sich in den Augen dieser Familie eines großen Vergehens schuldig macht, das alles verändert. Danach muss Leah eine Menge aushalten, mehr als es eigentlich in einem Menschenleben sein sollte.

Ich möchte gar nicht mehr zum Inhalt berichten, dies würde der Spannung sehr abträglich sein.

Viele der fiktiven Geschehnisse, die die Autorin so eindrücklich beschreibt, basieren auf realen Fakten und dies macht die Geschichte noch viel berührender und trauriger. Jeder von uns, insbesondere wir Deutsche, sollten immer mal wieder vorgeführt bekommen, was vor noch nicht einmal hundert Jahren in unserem Land passiert ist. Natürlich hat man drüber im Geschichtsunterricht gehört, über sämtliche Verbrechen im Dritten Reich. Aber das Ganze an einem persönlichen Schicksal nachzuvollziehen ist doch noch viel eindringlicher. Und wenn die Geschichte um Leah, Michael und all der anderen Personen auch fiktiv ist, so ist es gut möglich, dass irgendjemand genau so einen Lebensweg beschritten hat und sich die Nachwirkungen in der Familie bis heute zeigen.

Ich wünsche mir sehr, dass irgendwann in keinem Staat der Welt mehr Kinder ihren Eltern gewaltsam entrissen werden, hoffentlich keine allzu utopische Vorstellung.

Die Autorin hat es jedenfalls geschafft, ihren Figuren soviel Leben einzuhauchen, dass ich ihre Geschichte wirklich miterlebt habe, mit ihnen von Deutschland nach England und Australien gereist bin und mir sind gerade am Ende des Buches wirklich die Tränen gekommen.

Annette Dutton hat es geschafft, mir das Genre des Familiendramas schmackhaft zu machen, obwohl ich sonst fast ausschließlich in der Thriller- und Krimi-Ecke zuhause bin. Aber kein Kriminalroman hat mich je so berührt wie dieses Buch.

Ich empfehle es jedem, der sich für Geschichte und Familiendramen interessiert, aber ganz besonders auch allen bisher Unbedarften auf diesem Gebiet. Mich hat es absolut überzeugt und ich werde ganz sicher auch die anderen beiden Bücher der Autorin lesen.

 

Droemer Knaur, 2014, 422 Seiten