Christian von Aster

Der Orkfresser

Quelle: Klett Cotta

27.02.2018

 

Dieses Buch ist genauso wahnsinnig wie genial, eine krude, interessante und einfühlsame Mischung quer durch die Welt der Literatur

 

 

Aaron Tristen ist ein erfolgreicher Fantasy-Autor, der mit seinen Büchern auf dem Literaturmarkt große Erfolge feiert. Er selbst weiß allerdings, dass seine Texte schon lange nicht mehr sind, was sie mal waren. Es geht nicht mehr um Qualität, sondern lediglich um Erfolg und damit um Geld.

An seiner Seite stehen Lektorin Willi und Verleger Heuvelmann, fraglich ist, wer von Beiden wirklich an ihm oder nur an seinem Erfolg interessiert ist.

Bei der Party anlässlich der Veröffentlichung seines neusten Werkes kommt es zu einem Zwischenfall, an dem nicht nur der Autor selbst, sondern auch eine ganze Menge Orks beteiligt sind. Und damit beginnt die Reise Tristens und seine eigentliche Geschichte. Er flieht nach Leipzig und taucht unter, allerdings nicht, ohne immer mal wieder an der Oberfläche aufzutauchen. Nach und nach häufen sich seine Probleme, er trifft auf Menschen und andere Wesen und so ganz klar ist nicht, was der Realität entspricht und was seinem Medikamentenkonsum zuzuordnen ist. Auf dieser Reise findet er sich selbst, auch wenn der Weg immer weiter nach unten führt. Und er findet das, was man mit Geld und Erfolg nicht kaufen kann: Freunde, Nähe und Geschichten. Doch welchen Preis möchte er dafür bezahlen?

 

Anfangs dachte ich, dieses Buch sei schräg. Das ist es auch. Es ist kein typisches Fantasybuch, auch wenn fantastische Elemente durchaus in gewisser Form vorhanden sind. Irgendwie ist es eher eine Lebensgeschichte, eine Geschichte zu sich selbst und zu den Wurzeln, nur eben ohne irgendwelche esoterischen Verschwurbelungen.

Christian von Aster hat einen Teil des Weges seines Protagonisten auf unglaublich witzige, sarkastische und zuweilen bösartige Weise nachgezeichnet, und dabei haben allerhand Menschen und Institutionen ihr Fett wegbekommen. Er spielt mit Klischees und hält dem Buchmarkt einen Spiegel vor und dies auf eine sehr intelligente, satirische Art und Weise. Dass der Autor sich im Bereich der Literatur bestens auskennt, ist deutlich zu erkennen, ich weiß gar nicht, wie vielen literarischen Figuren ich begegnet bin. Das weiße Kaninchen trifft auf Don Quichote, Dr. Jekyll auf Balu den Bären und der Protagonist wartet auf Batman. Welcher wiederum ein Buddenbrook ist.

So wandelt sich nach und nach die Schräglage des Buches in eine völlige Schieflage, aber in eine, die plötzlich ganz gerade und logisch wirkt, trotz der Figuren. Oder gerade wegen diesen.

Und dann ist da noch Jamal, der zweite Protagonist in diesem Buch und der heimliche Star im Hintergrund. Wie auch Tristen umgibt ihn ein Geheimnis, irgendwo zwischen seinen Büchern und seinen Geschichten. Durch ihn und durch einige andere Figuren zeigt Christian von Aster deutlich auf gängige Vorurteile, gerade weil die Personen perfekt in ihre Schubladen passen. Jedenfalls auf den ersten Blick. Denn die Schubladen klemmen alle.

Genauso ging es mir mit diesem Buch. Die Schublade schien zu passen: Ein witziges, böses und fantastisches Buch ohne größeren Tiefgang. Was für ein Vorurteil und welche Fehleinschätzung. Denn hinter den witzigen Worten verbirgt sich unglaublich viel Nachdenkenswertes, Wissen und Lebensweisheit. Und zum Schluss kommt nochmal eine große Menge an Emotionalität dazu.

Ganz nebenbei macht es einfach riesigen Spaß, dieses Buch zu lesen. Der Umgang mit der Sprache ist hier so subtil gekonnt, dass dieses Spiel mit Worten wirklich schlichtweg schön zu lesen ist.

 

Auch sehr gefallen hat mir die Struktur des Buches. Jedes Kapitel begint mit einer kurzen, sehr eigenen Zusammenfassung und anfangs finden sich auch immer wieder eingestreute Kurzgeschichten des fiktiven Autors sowie eine „Rezession“ einer hoffentlich ebenso fiktiven Buchbloggerin.

 

Zusammenfassend also ein sehr intelligentes, tolles Buch, das für mich schon jetzt ein absolutes Highlight in meinem Bestand darstellt. Ich werde mir sicher noch mehr von diesem Autor ansehen und vergebe eine uneingeschränkte und unbedingte Leseempfehlung für alle, ganz besonders aber für Literaturfreunde und Geschichtenversteher.

 

Klett Cotta, Taschenbuch, 352 Seiten, 10.3.2018, Autorenseite

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