Cornelia Becker

Die Unsterblichkeit der Signora Vero

 

 

Cordula lebt mit ihrer 13jährigen Tochter Anna auf einer kleinen, etwas verschlafenen italienischen Insel und kämpft nach dem Tod ihres Mannes mit den Sorgen und Nöten einer alleinerziehenden Mutter. Trost bietet ihr einzig und allein das noch bestehende Band zu ihrem Ehemann, immer wieder sucht sie Kontakt zu ihm, gequält von Schuldgefühlen.

Da scheint ihr das Angebot der ebenso exzentrischen wie reichen Signora Vero wie gerufen zu kommen: Cordula hilft ihr, einen sauberen Weg in den Tod zu finden und ist damit alle Geldsorgen los. Doch jemanden umzubringen, der zwar lebensmüde ist, sich aber trotzdem bester Gesundheit erfreut, schreckt Cordula ab. Sie hat eine bessere Idee, möchte die Lebensgeschichte der Signora aufschreiben und veröffentlichen. Anfangs zögerlich stimmt diese zu und findet damit nach un nach scheinbar tatsächlich auch wieder Gefallen an ihrem Leben. Sie freundet sich mit Anna an und ihre Villa wird belagert von jungen Mädchen. Cordula reagiert eifersüchtig, möchte nicht in der Schuld der Signora Vero stehen und misstraut ihr. Nach und nach werden die Beziehungen untereinander immer komplizierter, bis es zu einem nicht unbedingt vorhersehbaren Ende kommt.

 

Sehr positiv beeindruckt an diesem Buch hat mich der Sprachstil, die Autorin versteht es, den Leser mit auf eine magische Reise zu nehmen, indem sie wunderbar bildhaft schreibt. Magisch ist auch der Umstand, dass der verstorbene Ehemann immer wieder auftaucht und sich mit Cordula austauscht. Sehr schön gemacht und in keiner Weise abdriftend ins Fantasygenre. Es wird einfach ein möglicher Umgang mit dem Tod eines geliebten Menschen beschrieben, in meinen Augen nicht der schlechteste. Auch das eigentlich Hauptthema des Buches, die Sterbehilfe, spielt hierbei eine Rolle, die mich sehr nachdenklich gemacht hat.

Auch die beiden Protagonistinnen, Signora Vero und Cordula sind sehr gut dargestellt, ihr ständiger Kampf miteinander, das herrlich tragisch-komische Wesen der Vero gegenüber dem traurigen, eigentlich schwachen von Cordula. In ihr zeigt sich deutlich ein Konflikt, den wohl gerade alleinerziehende Frauen oft mit sich selbst auszutragen haben: Man möchte, muss eigentlich stark sein, kann es aber irgendwann einfach nicht mehr.

Anna wiederum kämpft mit sich selbst, als wenn die Pubertät an sich noch nicht schwierig genug wäre, muss auch sie die Trauer um ihren Vater bewältigen und ihre Mutter kann ihr keine große Hilfe sein.

Eigentlich ist das ganze Buch wie in einem Drama auf einen tragischen Abschluss ausgerichtet. Tragisch ist dieser in einem weiteren Sinne auch, nur leider kommt dies hier nicht mehr wirklich bei mir als leser an. Das Buch gewinnt immer mehr an Geschwindigkeit, worunter in diesem Fall mein Lesevergnügen gelitten hat und am Ende hat man das Gefühl, eigentlich über eine Klippe stürzen zu müssen... leider stolpert man nur über einen kleinen Stein, liegt auf der Nase und das Buch ist zu Ende.

Vielleicht werde ich das Buch tatsächlich noch einmal lesen, um dem Ende doch noch etwas Schönes abgewinnen zu können, natürlich ist dies auch eine subjektive Entscheidung.

 

Insgesamt ein lesenswertes und überdenkenswertes Buch mit einem tollen Sprachstil und einem gewöhnungsbedürftigen Ende.

 

Langen Müller Verlag, 2014

Hardcover, 191 Seiten