Heilige Kuh

David Duchovny, übersetzt von Timur Vernes, Originaltitel: Holy Cow

 

 

Fabelhafter Inhalt mit eigenwilligem Schreibstil

 

Kuh Elsie lebt ein typisches Kuhleben auf einer amerikanischen Farm. Das Schlimmste, was sie bisher erleben musste, sind kleineren Streitigkeiten mit den anderen dort wohnhaften Tieren oder unaufmerksame Melker. Trotzdem wird sie eines Tages von der Abenteuerlust gepackt: sie beschließt, durch das offene Gatter zu verschwinden und die Welt zu erkunden. Oder wenigstens die Bullen. Bei einem kleinen Abstecher zu den Menschen erfährt sie jedoch etwas, das ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt. Sie beschließt daraufhin, nach Indien auszuwandern, weil Kühe dort heilig sind. Während ihrer Reisevorbereitungen schließen sich auch noch das Schwein und der Truthahn an, was ganz praktisch ist, Truthahn Tom kann immerhin ein Handy bedienen. Unterwegs erleben sie viele Dinge, die nicht nur die drei Reisenden, sondern auch die ganze Welt verändern sollen.

Der Autor bezeichnet diesen Roman als Fabel, was ich ganz zutreffend finde. Hauptdarsteller sind Tiere, und das, was sie erleben, regt tatsächlich zum Nachdenken an. Viele wichtige Themen werden angesprochen, der maßlose Fleischverzehr zum Beispiel mitsamt seinen Folgen für die Tiere. Sehr schön ist auch der Konflikt um Jerusalem (mit leicht ironischem Lösungsvorschlag) thematisiert, ebenso schimmert immer mal wieder ein bisschen Religionskritik durch.

Über die gesamte Geschichte spannt sich die Idee, seinen eigenen Weg zu gehen und unter Umständen auch mal Kurven in Kauf zu nehmen. Manchmal muss man seinen Lebenstraum revidieren und anpassen, damit er funktioniert. Eine Moral lässt uns Kuh Elsie am Ende des Buches auch noch zukommen: „Wir alle sind eins.“ Gerade in der heutigen Zeit etwas, dass man nicht vergessen sollte. Wenn das Buch also auch eine sehr lange Fabel mit vielen moralischen Lehrsätzen enthält: fabelhaft und lesenswert ist die Idee der Geschichte auf jeden Fall.

Trotzdem hat mir das Buch nicht uneingeschränkt gefallen. Die Schreibweise des Autors bzw. die Ausdrucksweisen der Tiere waren manches Mal doch eher albern statt lustig, gerade zu Beginn ging mir der Humor doch sehr auf die Nerven. Im Verlauf der Geschichte zeigten sich dann tatsächlich noch einzelne wirklich witzige Textstellen, leider ging manches einfach auch durch die Übersetzung verloren. Wenn man nicht nach Ungarn fliegen möchte, weil die Ungarn immer hungrig sind, ist das in der englischen Sprache ein schöner Sprachwitz, im Deutschen nicht so ganz. Ebenso verhält es sich mit der Türkei und dem Truthahn. Versteht man kein englisch, wird man kaum nachvollziehen können, warum dieses Land gerade seines sein sollte.

Trotz ihres nervigen Geplappers sind mir die drei Abenteurer doch irgendwann sympathisch geworden, aber stellenweise musste ich mich doch zum Weiterlesen aufraffen, obwohl ich Fabeln normalerweise sehr gerne lese.

 

Insgesamt eine tolle Geschichte, deren Schreibstil und Humor jedoch speziell sind. Es gibt sicherlich Menschen, die diese Art Bücher mögen und auch gerne lesen. Ich rate potentiellen Käufern zu einer kurzen Leseprobe, man kann schon sehr schnell den Stil des Ganzen erkennen. Wer dann damit zufrieden ist, kann beruhigt zugreifen, der Inhalt ist es wert.

 

Hardcover, 224 Seiten, Heyne, 2015

 

Heyne Verlag

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