Denise Valentin

Lys   Wildes Erbe

Eine starke Frau auf der Suche nach ihrem Selbst

 

Das Leben der 17jährigen Lys wird ohne Vorwarnung durcheinander geworfen, als ihre Familie überfallen wird. Ihr Vater stirbt, und die beiden Brüder verschwinden spurlos. Lys muss davon ausgehen, dass sie von den brutalen Wykanern verschleppt wurden und begibt sich auf die Suche nach ihnen. Unterwegs begegnet sie mehreren Wesen, die es gut mir ihr meinen und ihr helfen, doch auch das Böse scheint ihr auf den Fersen zu sein. Ob es auch die Eismänner, die Wykaner, sind, die sie verfolgen? Und was hat es mit der komischen Geschichte der alten Frau auf sich, bei der Lys kurz Unterschlupf findet? Fakt ist, dass diese ihr ganzes bisheriges Leben durcheinander bringt und sie zu Geheimnissen und Fähigkeiten führt, die vorher nicht einmal zu erahnen waren. Lys hat einen langen, beschwerlichen Weg vor sich und muss sich nicht nur äußeren Gefahren stellen. Sie entdeckt Welten, von deren Existenz sie kaum wusste und Gefühle, die für sie nicht leicht zu ertragen sind.

 

Dieses Buch hat sich wider Erwarten nicht mal eben so schnell weg lesen lassen, was ich durchaus als positiven Aspekt sehe. Die Welten, die die Autorin hier erschaffen hat, lassen sich nicht so einfach begreifen, zum Einen, weil sie schlichtweg unbekannt sind und erstmal erkundet werden müssen und zum Anderen, weil auch die Namen der Figuren für menschliche Ohren ungewöhnlich klingen und deswegen nicht so schnell im Kopf hängen bleiben.

Es hat also ein wenig gedauert, bis ich wirklich in dem Buch angekommen war, danach hat es mich aber nicht mehr losgelassen. Die Figurengestaltung ist so, wie ich es bei Romanen des Fantasygenres mag: Starke Frauengestalten, die durchaus ihren Mann stehen können, wenn es darauf ankommt. Männer, oder männliche Wesen, die auch in der Lage sind, Schwäche zu zeigen. Trotzdem aber langfristig die Oberhand behalten, denn mal ehrlich, wer will schon einen Prinzen, der heulend vom Pferd fällt?

Gut, ein Prinz spielt hier keine Rolle, dafür aber Fürsten, Brüder und Männer, die geliebt werden. Die sollten dann auch schon ein bisschen beschützen können. Besonders gelungen finde ich die Figur des Wykaners Bengar. Eigentlich auf der bösen Seite der Geschichte angesiedelt -

und eigentlich eben auch nicht, im Gegenteil.

Überhaupt war mir beim Lesen längere Zeit nicht ganz klar, wer welches Spiel spielte, wer zu den Guten gehörte, und wer wen verraten hatte. Auch Intrigen und Machtspielchen gibt es also genug. Umrahmt wurde das Ganze natürlich auch von der großen Liebe, und zwar gleich in mehrfacher Hinsicht und bei mehreren Figuren. Nicht immer hat dieses Gefühl Glück gebracht und auch bei Lys ist nicht klar, wohin ihre Emotionen sie führen. So wie die Protagonistin, wächst auch die Geschichte und leider ist es hier wie bei jedem guten Buch: Wenn man so richtig dabei ist und die Welt um sich herum vergisst, ist es zu Ende. Es gibt allerdings Hoffnung auf einen zweiten Teil, denke ich. Denn auch wenn der Schluss wirklich sehr gut aufgelöst wurde und diese Geschichte abgeschlossen ist, bleibt glücklicherweise das Potential und ein Ausblick für eine Weiterführung.

Der Schriftstil der Autorin ist angenehm anspruchsvoll. Nicht hochtrabend oder schwierig zu verstehen, sondern so, dass man sich über den Aufbau der Sätze und Handlung freut, eine runde, schön zu lesende Sache. Dies finde ich insbesondere bemerkenswert, weil das Buch in der Ich-Perspektive verfasst wurde, hauptsächlich erzählt die Protagonistin ihre Sicht der Dinge. Dies ist normalerweise eine Variante, die nicht gerade zu meinen liebsten zählt, hier tat es der Qualität oder dem Spannungsaufbau jedoch keinerlei Abbruch. A propos Spannung: Auch die entwickelte sich bis zum Schluss nochmal rasant und viele Dinge waren für mich tatsächlich überhaupt nicht vorhersehbar.

Insgesamt eine sehr schöne, phantastische Geschichte, bei der Fans dieses Genres ganz sicher beruhigt zugreifen können.

 

Lysandra Books Verlag, Taschenbuch, 392 Seiten, 2016

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