Elea Brandt

Unter einem Banner

28.2.2018

 

Liebe, Inrigen und Verrat in mittelalterlichem, aber dennoch innovativen Setting

 

Reykan kämpft für seinen König, egal, ob ihm dessen Entscheidungen widerstreben oder nicht. Treue und Loyalität sind höchste Werte für ihn, und selbst als er einen sehr großen persönlichen Verlust ertragen muss, weil der König falsche Entscheidungen traf, bleibt er an dessen Seite. Doch seine Erlebnisse zehren ihn aus, und als er endlich die Entscheidung gefällt hat, aus dem Heeresdienst auszutreten, wartet eine neue Aufgabe auf ihn. Diese wird ihm jedoch noch mehr abverlangen und seine Geduld sowie seine Kraft werden auf eine harte Probe gestellt: Er soll den verzogenen Prinzen Benrik beschützen, obwohl er ihn verabscheut, doch ein Schwur am Totenbett bindet ihn. Aber was passiert, wenn aus Pflichtgefühl Liebe wird?

 

Elea Brandt hat mit diesem Roman eine Welt erschaffen, die mittelalterlich anmutet und nur wenige Fantasyelemente beeinhaltet. Die Geschichte Reykans, sein Kampf mit sich selbst und seinen Emotionen hat mich beeindruckt, vor allem auch, weil es für mich absolutes Neuland war, dass gleichgeschlechtliche Liebe in solch einem Setting thematisiert wird.

Die anfängliche Irritation darüber wich jedoch schnell der Begeisterung, was vor allem dem Umstand geschuldet ist, dass die Autorin es wunderbar verstanden hat, Emotionen darzustellen. Die Gefühle der Protagonisten wirken so echt und überzeugend, dass ich manches Mal mit ihnen gelitten habe.

Die Figuren, insbesondere Reykan und Benrik wirken echt in ihren Handlungen und überzeugen durch ihre Authentizität. Die Nebenfiguren erreichen diesen Status nicht ganz so deutlich, sind aber auch sehr überzeugend ausgearbeitet.

Der Plot wartet auf mit einem ständigen Wechsel zwischen An- und Entspannung. Endlich scheint sich alles gekärt zu haben und Reykan kann sich glücklich ausruhen, da stehen die nächsten Kämpfe vor der Tür, der nächste Verrat fliegt auf und eine weitere Intrige wird gesponnen. Und wie so oft dreht es sich in den oberen Rängen meistens nur um eines: Macht und Habgier.

Ein wunderbares, kleines Detail ist mir mehrmals ins Auge gefallen: Der Protagonist liest, um sich zu beruhigen, in einem Märchenbuch, immer wieder taucht dies auf, auch wenn es eigentlich keine tragende Rolle spielt. Vielleicht ist dies ein unwichtiges Detail, in meinen Augen aber ein sehr sympathisches.

Der Sprachstil ist bildhaft und wortgewandt, die Geschichte ist flüssig zu lesen und es gibt keine Stolperfallen oder Unlogisches. Ein kleines bisschen gestört haben mich einzelne Ausdrücke der Protagonisten, das Wort „Scheiße“ z. B. wird oft in Dialogen verwendet oder auch „witzig“. Dies passte für mich nicht hundertprotzentig zu der mittelalterlichen Umgebung und zum sonstigen Sprachgebrauch. Aber das ist wirklich Jammern auf allerhöchstem Niveau und sorgt nicht für eine Schmälerung des Lesegenusses.

Am Ende legt die Autorin in Sachen Spannung nochmal einen Zacken zu, erst ganz am Schluss erfährt der Leser, wie diese Geschichte wirklich ausgeht, emotional und politisch. Sie ist zwischendurch nicht durchschaubar, immer neue Wendungen legen falsche Fährten und nehmen die Hoffung auf einen positiven Ausgang. Dies ist für mich absolut postiv zu bewerten und ein deutlicher Pluspunkt für dieses Buch.

Zusammenfassend ist „Unter einem Banner“ ein sehr guter Fantasyroman, hochemotional und spannend geschrieben und Fans dieses Genres werden davon nicht enttäuscht sein.

 

Dead Soft Verlag, 442 Seiten, Taschenbuch, 2018

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