Eltern, die auf Schaukeln starren

Eine typische Woche auf einem Spielplatz

 

In den Hauptrollen sind hier jedoch weniger die Kinder, als ihre Eltern, man findet zwischen Rutsche und Sandkiste zum Beispiel die schon sprichwörtliche Helikopter-Mum, aber auch die Blogging-Mum und „Die aus dem Dachgeschoss“. Seltener, aber auch vertreten, die Väter: der Kumpelpapa und der Businessdad unter Anderem. Sogar Babysitterinnen und Erzieherinnen finden sich hier und alle werden mit ihren typischen Eigenarten im Umgang mit den Kindern dargestellt. Das Ganze natürlich in leicht überspitzter Form, wenn man sich jedoch tatsächlich mal eine Weile auf einem Spielplatz niederlässt, wird man feststellen, dass einige Handlungsweisen gar nicht so abwegig sind.

Mit spitzer Zunge werden die Macken der Eltern aufs Korn genommen, insbesondere diejenigen bekommen ihr Fett weg, welche in allem perfekt sein wollen. Die Kinder müssen funktionieren, sollen bestmöglich gefördert werden und sind vor jedem Übel zu beschützen.

Sehr deutlich wird dies, als tatsächlich mal ein „ganz normaler Opa“ auf dem Platz erscheint, ausgerüstet mit zig „Bedienungsanleitungen“ für sein Enkelkind. Früher war das anders, denkt er sich, und Recht hat er. Wann dürfen Kinder schon noch einfach Kinder sein und einfach das tun, was ihre Aufgabe ist: Spielen? Und sich dabei auch mal dreckig machen oder auch mal ein Knie aufschürfen? Richtig: Gar nicht. Zu sehr sind die Eltern damit beschäftigt, sich mit Hilfe ihrer Kinder selbst darzustellen.

 

Ganz amüsant machen die beiden Autoren so auf einen gesellschaftlichen Wandel aufmerksam, der so wohl tatsächlich stattfindet. Erwähnt wird in diesem Buch nicht, dass es sicher auch noch „ganz normale“ Eltern gibt, aber so wirkt das Ganze eben einfach ein wenig komischer. Gelegentlich war es mir ein bisschen zu viel des Guten, zeitweise zog sich das Buch doch ein bisschen hin und wirkte eher albern als witzig, letzten Endes ist es aber durchaus lesenswert für alle Eltern und solche, die es werden wollen. Eine schöne Idee ist die Kapiteleinteilung mit Hilfe der Wochentage, gerade das Wochenende mit den Spielplatz besuchenden Vätern hat mir gut gefallen.

Leider sind mir beim Lesen ein paar grammatikalische Fehler aufgefallen, nicht viele, aber trotzdem ärgerliche. Bei einem gedruckten Buch erwartet man schon Fehlerfreiheit.

 

Insgesamt ein nettes Werk für zwischendurch, das durchaus ein bisschen zum Nachdenken anregt und Eltern amüsant auf die Schippe nimmt.

 

 

Ullstein Verlag, Taschenbuch, 252 Seiten