Janna Ruth

Tanz der Feuerblüten

Ungewöhnliches Setting trifft auf viel Gefühl

 

Die meisten Fantasy-Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, spielen in einer eher mittelalterlichen Zeit in einer Welt, die unserer westlichen ähnlich ist. Ganz anders in diesem Buch, die Handlung ist in einem frühzeitlichen, fantastischen Japan angelegt und war deswegen für mich komplettes Neuland.

Vor dem Lesen schwankte ich zwischen der Neugier darauf und der Angst, irgendetwas nicht zu verstehen, weil ich von japanischer Kultur überhaupt keine Ahnung habe. Diese Angst war unbegründet, es war kein Problem, der Handlung zu folgen, auch wenn manche Rituale und Traditionen unbekannt und ungewöhnlich sind. Aber das ist in einem Fantasyroman ja sowieso gang und gäbe, demnach kein Problem. Auch die japanischen Namen der Figuren hat die Autorin so gewählt, dass sie trotz des fernöstlichen Klanges gut im Kopf hängen bleiben. Potentielle Vorurteile bezüglich des Buches werden also schnell ausgeräumt.

Nun zum Inhalt:

Nach dem Tod seiner Eltern zieht der Schwerttänzer Jinnan an den kaiserlichen Hof und ist hier leicht überfordert von der höfischen Etikette und den dortigen Gepflogenheiten. Er selbst stammt aus der Provinz und stößt manches Mal an seine Grenzen. Für Unverständnis sorgt zum Beispiel seine Rettungsaktion einer kleinen, unscheinbaren Dohle, schließlich ist sie kein schöner Vogel und künstlerisch nicht besonders wertvoll. Das dies im Verlauf der Geschichte noch eine große Rolle spielen soll, kann da ja noch niemand ahnen...

Kunst und die Beherrschung der Natur spielen im kaiserlichen Palast eine große Rolle, Schönheit ist wichtiger als Nutzen und was vor den Palastmauern vonstatten geht, interessiert wenig.

Die Natur allerdings will sich rächen, dafür dass sie tausend Jahre lang von den Menschen unterjocht wurde. Und zu der Natur gehören auch Dämonen, die schlussendlich ihre Macht wiedererlangen wollen. Auch am kaiserlichen Palast.

Garniert ist die ganze Geschichte von Jinnans Liebe zu Ayaka, die eigentlich gar nicht sein darf, denn Ayaka ist die fünfte Frau des Wasserprinzen und damit unerreichbar. Eigentlich. Wer wird siegen: Natur über Menschen, Gefühle über gesellschaftliche Normen?

Diese Liebesgeschichte spannt eine große Klammer um das gesamte Buch, die Emotionen der Protagonisten zueinander sind Dreh- und Angelpunkt der gesamten Handlung und werden von der Autorin auch sehr schön dargestellt. Das zarte Pflänzchen der Liebe, das sich als sehr stark und robust erweist, steht irgendwie sinnbildlich für die Natur, welche gegen nutzlose Schönheit antreten muss.

Allerdings hat auch diese Schönheit ihren Reiz, dass Duelle mit Worten ausgetragen werden, statt mit Waffen, hat mir zum Beispiel sehr gut gefallen. Trotzdem müssen im Verlauf der Handlung Menschen und andere Wesen sterben, teilweise durchaus dramatisch, wer ein bisschen mehr Aktion mag, wird hier auch auf seine Kosten kommen.

Einziger Kritikpunkt für mich ist die Kürze des Buches, als Leser fühlte ich mich zeitweise ein wenig durch die Handlung getrieben und hätte die Welt von Jinnan und Ayaka gerne noch näher kennengelernt.

Trotzdem wird alles Wichtige aufgeklärt und auch das Ende lässt keine Fragen offen.

Sehr überzeugt hat mich der Schreibstil der Autorin. Wie die Figuren, malt sie mit Worten und versteht es, die Abgeklärtheit, die Realitätsferne des Palastes sehr deutlich darzustellen. Ihre Worte treffen den Punkt, wo es nötig ist und werden zu Bildern, wenn diese gerade gefragt sind. Das Ganze in einer fernöstlichen Welt führt zu einem interessanten und lesenswerten Erlebnis, das Fantasyfans sicher zu begeistern vermag und durchaus auch zum Nachdenken anregt. Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung für LeserInnen, die sich in der Fantasy oder Romantasy zuhause fühlen.

 

E-Book, Ueberreuter Verlag, 100 Seiten

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