Johanna Stöckl

Donaumädchen

Lena ist ein ganz normales, österreichisches Mädchen. Sie macht Dinge, die man in ihrem Alter eben so tut: Trifft sich mit Freundinnen, nutzt die virtuellen Welten und Netzwerke, hat Spaß, Pläne und geht zur Schule. Ganz normal also – bis sich an ihrem 15. Geburtstag alles ändert.

Sie hört Stimmen, die sonst niemand wahrnimmt, bekommt ein seltsames Geschenk ohne Absender und alles erscheint komisch. Eigentlich scheint es nur eine Erklärung dafür zu geben: Ihre seltene Krankheit, die sie schon ihr ganzes Leben begleitet, ist ausgebrochen und verursacht nun Halluzinationen. Aber ist sie überhaupt wirklich krank? Oder gibt es doch noch eine ganz andere Erklärung für all die Dinge, die ihr passieren? Und welche Rolle spielen ihre Eltern dabei? Lena will Antworten und sie muss Entscheidungen fällen. Entscheidungen, die einen unumkehrbaren Weg weisen, und egal, welchen sie geht: Sie muss Verluste verkraften, Stärke zeigen und Neues lernen. Sie wird von Dingen hören, die so unglaublich klingen, dass sie fast schon wieder wahr sein müssen und ihr Leben wird auf den Kopf gestellt werden.

 

Als ich dieses Buch bekam, wollte ich nur mal kurz reinlesen, so wie ich es oft mit neuen Errungenschaften mache. Daraus wurde nichts – innerhalb von zwei Tagen habe ich die 413 Seiten förmlich verschlungen. Die Autorin selbst bezeichnet ihr Werk als Urban-Fantasy und dem stimme ich vorbehaltlos zu.

Die eigentliche Zielgruppe wird wohl vorrangig jüngere Erwachsene sein, und damit ist diese Geschichte nicht unbedingt das, was mich auf den ersten Blick sofort fesselt. Umso erstaunter war ich, dass sie mich dennoch so in ihren Bann ziehen konnte, nur selten hat mich ein Buch so schnell und vor allem so konsequent einfangen können.

In vielen Punkten ist es eine klassische Heldenreise, in diesem Fall mit weiblicher Protagonistin. Sie entwickelt sich, scheitert, entwickelt sich weiter und muss mehrfach große Entscheidungen fällen. So weit nichts Neues, und trotzdem habe ich diese Geschichte als sehr innovativ empfunden. Zum Einen spielt sie einfach in einer modernen Welt, Lena selbst ist ziemlich versiert in Sachen Computertechnologie und träumt sogar davon, eine große Hackerin zu werden. Sie lebt mit ihren Freundinnen in einer modernen Großstadt und die Autorin hat dieses Leben sehr realistisch nachgezeichnet. Ich bin mir sicher, dass sich die Leserinnen in ihrem Alter bestimmt auch in ihren Handlungen wiederfinden können.

Außerdem bestimmen Themen wie Korruption, Macht und Größenwahn die Handlung, verwoben mit dubiosen Machenschaften der Pharmaindustrie, Terrorabwehr etc. Für den zweiten Bereich arbeitet schließlich Lenas Vater. Glaubt sie.

Zweitens hat die Autorin das gesamte Buch sehr multimedial angelegt. Es gibt unzählige Links zu den Orten, die eine Rolle spielen und die Protagonistin hat eine eigene Webseite, auf der besondere Zugaben zum Buch angeboten werden. Sämtliche Textnachrichten und Emails, die in der Geschichte eine Rolle spielen, sind extra abgesetzt und gekennzeichnet. Man liest dieses Buch also nicht nur, sondern kann es auch interaktiv nutzen, was ich als großen Pluspunkt und Besonderheit empfinde.

Aber trotz aller Modernität und Innovation ist es eine Geschichte, die mit alten Mythen und Sagen spielt, die einen märchenhaften Zauber entwickelt, wie es nur wenige Fantasybücher schaffen. Die Autorin hat eine Welt erfunden, in der Neues neben ganz Altem existiert und beides passt perfekt zusammen.

Der Schluss hat mich dann tatsächlich zu Tränen rühren können, auch dies eher eine Seltenheit.

Ganz nebenbei vermittelt die Autorin auch ihre Ansichten über Vertrauen und Nähe, Freundschaft, Familie und Zusammenhalt und dies, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen.

Der Schreibstil ist unheimlich fesselnd und intensiv, die Spannungsmomente sehr vielfältig und dicht beieinander.

Für mich ist es eines der besten Fantasybücher im New-Adult-Bereich, das mir bisher untergekommen ist und ich empfehle es uneingeschränkt an interessierte LeserInnen weiter.

 

Tredition, 413 Seiten, Hardcover und Taschenbuch, 2017

http://www.donaumaedchen.at/main.htm